Thun krönt sich zum meister – und wird dann demoliert!
Ein Fußballmärchen erreichte am Wochenende seinen Höhepunkt – und seinen alles übertrumpfenden Tiefpunkt. Der FC Thun, sensationeller Aufsteiger, feierte den Meistertitel in der Schweiz. Doch die anschließende Partie gegen die Young Boys Bern endete in einer historischen Blamage: Eine 3:8-Niederlage, zwei Platzverweise und ein Spiel, das selbst eingefleischte Fußballfans sprachlos machte.

Der pokal, die party – und die demütigung
Die Geschichte des FC Thun in dieser Saison liess an ein modernes Fußball-Märchen denken. Ein kleiner Verein, der sich gegen die etablierten Kräfte durchsetzt und am Ende den Titel holt. Doch der krönende Abschluss der Saison wurde von einem unerwarteten Ereignis überschattet. Vor den Augen der eigenen Fans kassierte Thun eine vernichtende Derby-Pleite gegen die Young Boys Bern. Die Partie war geprägt von Fehlentscheidungen, rotem Karten und einer insgesamt desaströsen Leistung des Meisters.
Die Berner Zeitung schrieb treffend: „Der Meister wird erst deklassiert und danach gekrönt.“ Ein Satz, der die Absurdität der Situation perfekt einfing. Die Boulevardzeitung „Blick“ nannte die Partie schlichtweg „Die schönste Klatsche der Geschichte.“ Und in der Tat, die Kombination aus Meisterehrung und anschließender Demütigung auf dem Platz war einzigartig.
Ein Spiel voller Skurrilität: Bereits in der Anfangsphase brachte der Ex-Augsburger Samuel Essende die Young Boys in Führung. Thun antwortete zwar mit einem Doppelschlag von Elmin Rastoder, doch YB übernahm zusehends die Kontrolle über die Partie. Essende traf erneut (Foulelfmeter), Alvyn Sanches erhöhte die Führung vor der Pause. Der Platzverweis gegen Thuns Kapitän Marco Bürki nach einem Ellenbogencheck kurz vor dem Pausenpfiff besiegelte das Schicksal des Meisters.
In Überzahl zeigten die Young Boys keine Gnade. Essende vollendete seinen Hattrick (Foulelfmeter), Alan Virginius, Christian Fassnacht und Chris Bedia bauten die Führung weiter aus. Jan Bamert sah nach einer Notbremse ebenfalls die rote Karte und verschuldete den dritten Elfmeter für YB. Leonardo Bertone gelang es zwar, kurzzeitig den Anschluss herzustellen (wundervoller Freistoß), doch Fassnacht machte den Bern-Endstand perfekt.
„Am Schluss ist es scheißegal“, kommentierte Bertone nach dem Spiel bei blue Sport. „Wir haben den Pokal, das ist das Schönste, was wir in dieser Saison erreichen konnten.“ Ein Satz, der die Mischung aus Frust und Stolz der Thuner Spieler widerspiegelte.
Trainer Mauro Lustrinellis Mannschaft sicherte sich erstmals in der 128-jährigen Vereinsgeschichte den Meistertitel. Der letztjährige Aufstieg in die Super League war ein Novum, der Titel ein Wunder. Doch der Abgesang am letzten Spieltag wird lange in Erinnerung bleiben – als ein unrühmliches Kapitel im Märchen vom FC Thun.
