Thannheimer fliegt auf 128 meter – und bricht sich das kreuzband

Wendelin Thannheimer traf am Freitag in Lahti die 128-Meter-Marke. Dann traf ihn das Schicksal. Der 26-jährige Weltmeister der Nordischen Kombination verletzte sich bei der Landung schwer am Knie und fällt monatelang aus – ein Schock für den ambitionierten Athleten, der sich gerade in Bestform befand.

Der sturz, der alles ändert

Es war der letzte Sprung des Tages, als Thannheimer nach dem perfekten Flug das Gleichgewicht verlor. Er knickte nach links weg, blieb liegen. Eine Minute. So lange brauchte der Sportler, um sich wieder aufzurappeln. Die Zuschauer verstummten. Die Ärzte eilten herbei. Ein erster Blick auf das angeschwollene Knie verriet: Das wird nichts mit Weiterspringen.

Die Diagnose war noch härter als erwartet: Riss des vorderen Kreuzbandes plus Außenmeniskusriss. Ein K.o. für die restliche Saison. „Wir haben sofort mit abschwellenden Maßnahmen begonnen. Die Operation in München steht für Montag an“, sagte DSV-Mannschaftsarzt Lukas Pecher knapp.

Der podest-traum wird zur geduldsprobe

Der podest-traum wird zur geduldsprobe

Nur wenige Wochen zuvor hatte Thannheimer in Trondheim als Zweiter des Massenstarts erstmals sein Weltcuppodest erreicht. Der Sprung ins nur dreiköpfige Olympia-Team für Mailan-Cortina schien greifbar. Jetzt ist er raus – und muss von vorne beginnen.

Die Verletzung wirft auch Fragen auf: Wie stabil ist das DSV-Aufgebot in einer Saison, die ohnehin von Wechseln und Verletzungen geprägt ist? Thannheimer galt als Hoffnungsträger, der Druck auf die erfahrenen Kräfte erhöhen sollte. Mit ihm fehlt nun ein Kandidat, der Tempo macht – und der die interne Konkurrenz belebt.

Die nächsten Monate werden für Thannheimer zur Geduldsprobe. Knie-OP, Reha, Aufbau. Der Zeitplan ist klar: Mitte August beginnt die Vorbereitung auf den Winter. Bis dahin muss das Kreuzband wieder halten – und der Kopf auch.

Für den Athleten aus Baiersbronn endet mit dem Sturz nicht nur eine Saison, sondern auch ein Traum von der ersten Olympiateilnahme. Die WM-Titel sind gewonnen, das große Ziel blieb offen. Nun heißt es: zurück auf die Sprungschanze – und das nächste Mal sicher landen.