Tedesco landet in bologna: der wandervogl mit italienischem herz
Es ist der Transfer, über den in den Emilia-Romagna-Kneipen schon seit Wochen gemunkelt wurde: Domenico Tedesco kehrt in seine Geburtsheimat zurück – und zwar als Chefcoach des FC Bologna. Knapp zwei Monate nach seiner vorzeitigen Trennung von Fenerbahce Istanbul unterschreibt der 40-Jährige bis Juni 2028, Option inklusive. Ein Heimspiel mit 20 Jahren Verspätung.
Wiedersehen mit der eigenen vergangenheit
Für Tedesco geht eine Odyssee weiter, die ihn von Aue über Gelsenkirchen, Leipzig und Moskau bis Brüssel führte. Sieben Klubs, fünf Länder, ein roter Faden: Überall brachte er junge Spieler voran, überall schien die Zeitlupe der Erfolge irgendwann zu schnell. In Bologna wartet nun eine Mannschaft, die unter Vincenzo Italiano beinahe Europapokal gelaufen wäre – und die sich jetzt fragt, ob Tedesco der Architekt für den nächsten Schritt ist oder nur der Übergang.
Die Zahlen sind unbarmherzig: Bei Schalke feierte er den Vizemeistertitel, stürzte dann aber mit dem Klub in die Zweitklassigkeit. In Leipzig schaffte er die Pokalfinalteilnahme, wurde trotzdem nach 15 Spieltagen der Saison 2022/23 versetzt. Belgien? Gruppenaus bei der EURO 2024. Istanbul? Entlassung nach 0:3 gegen Galatasaray. Die Lehrbuchkarriere des Perfektionisten wirkt wie ein Puzzle, dem ein letztes Teil fehlt.

Warum bologna genau jetzt auf risiko setzt
Der Verein hat mit Joey Saputo einen kanadischen Investor, der lieber Champions-League-Rendite als Mittelmaß will. Nach dem achten Platz der abgelaufenen Saison fehlte nur ein Punkt auf die Conference League, und die Tifosi träumen laut vom Scudetto 2027. Tedesco bringt das Pressing-4-2-3-1, das in der Serie A noch ungewohnt ist, und ein Talent für U21-Stars wie Lewis Ferguson oder den gerade neu verpflichteten Zirkzee. Eine Symbiose aus Emotion und Taktik – so wie seine eigene Biografie: in Castiglione geboren, in Essen aufgewachsen, heute wieder Italiener mit deutschem Pass.
Der erste Test kommt schnell: Bereits am 15. August steht das Play-off-Hinspiel zur Conference League an. Die Uhr tickt. Bologna wartet. Tedesco trägt wieder Schwarz-Blau, diesmal aber die Farben seiner Wiege. Wenn er es hier nicht schafft, bleibt vielleicht kein fünftes Land mehr übrig.
