Vape-müll wird auto-antrieb: brite baut 2,5-kwh-akku aus 500 wegwerf-e-zigaretten

Chris Doel hat ausgespuckt, was Elektromobilitäts-Fans bislang nur spöttisch erzählen: eine fahrbereite Micro-Car, die sich ausschließlich mit Zellen aus Wegwerf-Vapes bewegt. Ergebnis: 29 Kilometer Reichweite, 56 km/h Spitze – und ein handfestes Müllproblem im Fokus.

Der Elektroingenieur und YouTuber aus Nottingham zog monatelnd Container durch die Stadt, um 500 ausrangierte E-Zigaretten zu sammeln. In jeder steckt eine funktionstüchtige Lithium-Ionen-Zelle, die eigentlich für mehr Ladezyklen gebaut ist, als Nikotin-Dampf sie je verbraucht. Doel lötete, wog, kapselte – und baute daraus einen 50-Volt-Block mit 2,5 kWh Kapazität. Die britische Statistik gibt ihm recht: Über eine Million dieser Stangen landet täglich im Müll, nur weil der Tank leer ist.

Reva g-wiz wird testlabor auf rädern

Als Spenderin diente eine 2003er Reva G-Wiz, damals als Stadttöffchen in London beliebt, heute ein Kultobjekt für Tüftler. Doel entfernte das verbleite Original-Paket und setzte sein Vape-Akkumonster samt selbstgelötetem Aluminiumgehäuse ein. Ein 5-kW-Boost-Modus im Wechselrichter verhindert Fahrten mit Schmackes, ein DC-DC-Wandler speist Licht und Hupe, USB-C erlaubt das Nachladen per Handy-Netzteil – eine Weltpremiere, so der Brite.

Sicherheit war Pflicht, nicht Kür: jedes Zellmodul erhielt ein eigenes Sicherungsblech, Temperatursensoren überwachen Hitze, ein BMS regelt Ladeschluss. Die erste Testrunde über Landstraßen zeigte Stromabriss erst nach 29 km, ein Wert, der für Zweisitzer und Hügelprofil überraschend solide ist. Höchsttempo: 56 km/h, Akkutemperatur blieb bei 29 °C – kein Thermal-Runaway, kein Rauch, kein Hype.

Die botschaft: e-müll ist rohstoff, nicht bürde

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Doels Video ist keine Spielerei. Er will vor allem eines dokumentieren: In den kleinen Stäben stecken Kobalt, Nickel, Kupfer – Rohstoffe, die sonst in Schreddern oder Containerschiffen Richtung Südostasien verschwinden. Experten des UK Waste & Resources Action Programme sprechen von jährlich 1.200 Tonnen verlorener Rohstoffe allein durch Vapes auf der Insel.

Die Aktion bleibt in Deutschland illegal: eine Umrüstung ohne EG-Typgenehmigung, ohne UN 38.3-Zellzertifikat, ohne Crashtest. Doch die Rechnung stimmt trotzdem: Würde man nur zehn Prozent der weggeworfenen Akkus für Second-Life-Stationary-Storage aufbereiten, ließen sich nach Fraunhofer-ISI-Berechnungen 50 Megawattstunden Zwischenspeicher für Solardachanlagen bauen – genug für 12 000 Haushalte.

Chris Doel fährt seine Vape-Reva weiter durch die Vororte, kurbelt das Video hoch und sammelt schon neue Spenden-Zigaretten. Die Pointe: Der nächste Akku liegt schon auf der Straße – man muss nur aufheben, statt wegwerfen.