Tebas zündelt in paris: psg herrscht durch schweigen

Javier Tebas steckt wieder einmal den Finger in die Wunde. In einem Gespräch mit L’Équipe beschreibt der LaLiga-Chef den französischen Meister als „Medienmacht“, der ihre Stärke aus der Angst der Konkurrenz saugt. „Das Schweigen der anderen macht sie schuldig“, sagt er – und fordert einen Aufstand der Ligue-1-Klubs.

Der Spanier reiste nach Frankreich, um dort Sponsoren und TV-Partner zu beruhigen. Am Ende schlug er aber jene, die ihn einluden, mit ihren eigenen Waffen. Seine These: beIN Sports sei die am längsten reichende Hand des PSG, mit der der Sender Meinungen lenke, Spielpläne schöne und kritische Stimmen erst gar nicht aufkommen lasse. „Die Stille der Vereine ist ihr größtes Kapital“, sagt Tebas. „Ohne Gegenwind wird die Meinung zur Wahrheit.“

Der krieg mit al-khelaïfi ist persönlich, aber nicht ideologisch

Tebas betont, er habe nie gegen den Klub als Institution gefochten. „Das PSG von 1985 oder 1995 war ein Juwel des europäischen Fußballs.“ Seine Munition richte sich gegen Nasser Al-Khelaïfis Geschäftsgebaren – vor allem gegen jene Jahre, in denen die Einnahmen plötzlich mit den Ausgaben mitwuchsen, obwohl das Stadion nicht größer, das Trikot nicht teurer und der Markt nicht reicher wurde. „Staatsklubs wie PSG und Manchester City haben Jahr um Jahr kolossale Verluste produziert. Das war kein Wachstum, das war ein Wettbewerb auf Pump.“

Mittlerweile, räumt Tebas ein, zeige Paris „zumindest Teile“ einer Korrektur. „Besser spät als nie“, sagt er mit einem Lächeln, das weniger Versöhnung als Erwartung ausdrückt.

Der kalender ist ein pulverfass – und tebas zündelt weiter

Der kalender ist ein pulverfass – und tebas zündelt weiter

Der LaLiga-Präsident nutzt die Bühne, um einen zweiten Frontmann anzugreifen: die UEFA. Die neuen vier Extraspieltage der Klub-WM und der erweiterten Champions League würden die nationalen Ligen sprengen. „Wir verlieren das Gleichgewicht“, warnt Tebas. „Mehr Einnahmen bedeuten nicht automatisch mehr Spieltag. Irgendwann platzt das Produkt.“

Die Zahl, die er dafür ins Feld führt: zwölf Millionen Euro steckt LaLiga jährlich in die Bekämpfung von Streaming-Piraterie – Geld, das eigentlich in Nachwuchs oder Frauenfußball fließen sollte. „Sechzig Prozent meiner Arbeitszeit jage ich Raubkopien hinterher. Das ist keine Nebenkriegsschauplatz, das ist der Kampf um unsere Existenz“, sagt Tebas und schlägt dabei auf den Tisch, als wolle er dem französischen Gastgeber die Kaffeetasse aus der Hand schlagen.

Paris Saint-Germain schweigt bislang zu den Vorwürfen. Der Klub wird am 1. September im Parc des Princes empfangen – und wieder wird das Stadion dunkel sein, wenn die Kameras einzoomen. Das Schweigen, das Tebas so sehr kritisiert, wird für 90 Minuten zum Soundtrack werden. Dann wird gepfiffen, gespielt, gewonnen – und am Ende zählen wieder die Punkte, nicht die Worte. Aber die Worte bleiben hängen. Und sie sind lauter als jedes Stadiongesang.