Swiss-ski verliert nach olympia-zyklus seine architektin
Ein Tag nach dem
Staffel-Coup in Antholz donnert die nächste Nachricht durchs Val Müstair: Sandra Flunger geht. Nach acht Jahren, zwei Olympia-Zyklen und der höchsten Stabilität, die das Schweizer Biathlon je kannte, steckt die 43-jährige Tirolerin ihre Trainerstoppe in die Tasche und sucht das Abenteuer im Ausland.Die bilanz liest sich wie ein schweizer traum
Platz 9 im Nations Cup? Vergessen. Platz 5? Realität. Flunger hat das Team vom Aufsteiger zum Dauerbrenner gemacht. Sie brachte die ersten Weltcup-Podestplätze der Frauen-Staffel, den ersten Sieg der Single-Mixed-Staffel und den ersten Einzelsieg nach elf Jahren Trockenheit. Wer in der Schweiz vor zehn Jahren „Biathlon“ sagte, meinte Schneeschuhwandern. Heute meint er Top-Ten-Platzierungen und Medaillen-Chancen.
Doch hinter den Zahlen steckt ein System. Flunger baute ein Komplextraining auf, das Athletinnen wie Lena Häcki-Gross oder Aita Gasparin an die Weltspitze katapultierte. Sie installierte Psychologen, Analysten, Ernährungsfreaks – und verlangte dafür Disziplin. „Wer nicht pünktlich zum Video-Comeback erschien, flog raus“, berichtet ein Athlet anonym. Das war ihr Geheimnis: Strenge, die wie Fürsorge wirkte.

Warum jetzt der abschied folgt
„Ich denke in Olympia-Zyklen“, sagt Flunger knapp. Die Logik ist eiskalt: Nach PyeongChang 2018 und Peking 2022 ist der Kreis geschlossen. Die Athleten sind reif, das System steht, die Nachfolgerin kann auf einem funktionierenden Fundament aufbauen. Für Flunger beginnt ein neues Kapitel – vielleicht in Norwegen, vielleicht in den USA. Wer sie kennt, weiß: Sie wird nicht in den zweiten Liga-Rang gehen. Sie will den nächsten Zyklus, nur woanders.
Swiss-Ski schweigt bislang über die Nachfolge. Intern kursieren drei Namen: Der deutsche Ex-Weltmeister Markus Göllner, Norwegens Frauen-Chef Egil Gjelland und eine interne Lösung mit Co-Trainer Michael Mühlegg. Die Entscheidung fällt im Mai, nach der Saison, nach dem Weltcup-Finale in Oslo. Wer auch immer kommt: Er tritt in riesige Fußstapfen. Flunger hinterlässt kein Chaos, sondern eine Maschine, die nur noch neuen Benzin braucht.
Die Athleten reagieren betroffen, aber nicht panisch. „Sie hat uns gelehrt, selbstständig zu denken“, sagt Häcki-Gross. Das ist das größte Geschenk. Und das größte Risiko für die Nachfolgerin: Wenn das System plötzlich doch nur die Trainerin war, nicht die Denkweise.
