Swiatek holt nadal-urgestein: roig soll titelmaschine wieder starten
Iga Swiatek schlägt nach dem Debakel von Miami zurück – mit einem Mann, der 20 Jahre lang hinter Rafael Nadal stand. Francisco Roig, 58, wechselt sofort ins polnische Lager, wie Swiatek am Mittwoch auf Instagram verkündete. Die Vertragsunterlagen sind unterschrieben, die Koffer gepackt. Der Schlag nach dem frühen Aus in Miami soll binnen Tagen vergessen sein.
Warum ausgerechnet roig jetzt
Die Rechnung der Weltranglisten-Vierten ist simpel: Wer Nadal zum 22. Grand Slam geführt hat, kann auch eine 24-jährige Vier-Slam-Siegerin wieder in die Spur bringen. Roig war von 2002 bis 2022 fest in Nadals Team verankert, half beim Aufbau der brutalen Topspin-Physik, organisierte die Sandplatz-Block-Periodisierung, schulte die mentalen Automatismen, die den Mallorquinern unzählige Matchbälle abnagelten. Swiatek will exakt diese DNA: Druckresistenz, Punkt-zu-Punkt-Routine, ein Spielplan, der auch funktioniert, wenn das Timing flöten geht.
Der Wechsel kommt zackig. Nach dem 6:4-, 6:7-, 2:6-Kollaps gegen Linda Noskova in Miami hatte Swiatek Coach Wim Fissette vor die Tür gesetzt. 18 Monate, ein Wimbledon-Titel, aber zuletzt zu viele Achtelfinal-Aussetzer auf Hartplatz. Statt zu lamentieren, schaltete ihr Management einen Gang höher. Roig war verfügbar – er hatte erst im März den 2,03-Meter-Riesen Giovanni Mpetshi Perricard betreut, davor Emma Raducanu fit gemacht. Beide Jobs endeten, weil die Spieler kürzeren Sommer-Coaching-Verträge hatten. Swiatek nutzte das Zeitfenster.

Was roig sofort ändern muss
Die Statistik nagelt Swiatek fest: In den letzten fünf Turnieren verlor sie dreimal vor dem Viertelfinale, zweimal gegen Außenseiterinnen. Ihre Vorhand-Longline-Quote brach auf 38 % ein, der erste Aufschlag landet nur noch bei 59 % im Feld. Roig wird vor allem das Aufschlagspiel neu justieren – bei Nadal war der Slice-Aufschlag auf Rasen ein Trumpf. Für Swiatek bedeutet das: mehr Körperaufschlag, variabler Spin, kürzere Rückschlag-Linien. Die zweite Großbaustelle heißt Netz. Bei ihren vier Slam-Triumphen holte sie nur 11 % der Punkte direkt vor dem Netz, ihre Konkurrentinnen um 20 %. Roigs Credo lautet: „Wer den Punkt beenden kann, muss ihn auch beenden.“
Die Nächstes Ziel ist Rom. In zwei Wochen beginnt das WTA-1000-Turnier auf Sand, Swiatek ist Titelverteidigerin. Die Trainingswoche in Boca Raton ist bereits geplant – ohne Promofotos, ohne Presse, nur Schläger, Daten, Videoanalyse. Roig reist mit seinem roten Notizbuch, in dem noch Nadals Handnotizen stehen. Swiatek postete ein Foto, das sie mit dem Spanier im Gym zeigt – dazu das Kürzel „Kapitel 2“. Dahinter steckt keine PR-Abteilung, sondern eine klare Ansage: Die Titelmaschine soll wieder laufen, bevor die Saison entscheidend wird.
Früher oder später wird jeder Trainer von Swiatek gemessen an dem 35-Match-Serien-Siegewahn von 2022. Roig kennt den Drill. Bei Nadal war es die 81-Serie auf Sand. Er weiß, wie man aus Zahlen Druck baut und aus Druck Energie. Swiatek weiß, dass sie keine Zeit hat, neue Systeme zu erlernen. Sie braucht sofortige Korrekturen. Roig kann sie liefern. Wenn es klappt, steht in Paris die fünfte Trophäe. Wenn nicht, war es immerhin der kühnste Anruf des Jahres. Sportlich wie geschäftlich.
