Suter findet ihre geschwindigkeit wieder – und lobt pirovano mit glühenden worten

Corinne Suter stampft mit 120 Stundenkilometern ins Ziel, zieht die Brille hoch und atmet durch. Rang sechs in der letzten Abfahrt des Winters, das klingt nach Mittelmaß. Doch wer ihre Augen sieht, erkennt: Die Schweizerin ist zurück im Geschäft, und sie weiß es.

Der satz, der laura pirovano die krönung versiegelte

»Es ist eine Bestätigung, und sie hat die Kugel so verdient. Was sie heute geleistet hat, war noch einmal mega gut«, sagt Suter mit dem Tonfall einer Athletin, die genau weiß, wie viel Mühe hinter jedem Hundertstel steckt. Dann kommt der Satz, der in Andorra noch Tage nachhallen wird: »Ganz, ganz große Klasse, ich gönne ihr das sehr.« Ein Satz, der mehr wiegt als jedes Pressekompliment – gesprochen von der Frau, die 2021 selbst die Abfahrtskugel gewann.

Die Kristallkugel, erklärt Suter, sei »etwas vom Schönsten, was es für eine Athletin gibt«. Warum? Weil sie verrate, dass man nicht nur an einem Tag schnell ist, sondern jede Piste im Griff hat. Pirovano hat das bewiesen – und Suter beobachtete es aus nächster Nähe.

Der untergrund, der suter stutzen ließ

Der untergrund, der suter stutzen ließ

Doch auch die eigene Leistung nimmt Suter unter die Lupe. »Ich glaube, ohne die Fahrt gesehen zu haben, dass sie im Großen und Ganzen okay war«, sagt sie und schraubt die Erwartungen sofort wieder zurück: »Der untere Teil ist mir aber nicht so aufgegangen, wie ich es mir vorgenommen hatte.« Ein Detail, das in der Abfahrt über Sieg oder Niederlage entscheidet. »Das gehört aber zum Rennfahren«, fügt sie lachend hinzu – und beschreibt damit die Mentalität, die sie nach schweren Verletzungen und Rückschlägen wieder ganz nach vorne katapultiert hat.

Seit der Olympia-Pause ist Suter kein Schatten mehr ihrer selbst. Soldeu gewinnen, in Val di Fassa aufs Podium, dann Platz acht – und nun die Bestätigung in Form von Rang sechs. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Speed ist zurück.

Die frage, die sie sich selbst nicht mehr stellt

Die frage, die sie sich selbst nicht mehr stellt

»Für mich ist das Schönste, dass ich den Grundspeed wieder spüre«, sagt Suter. An allem anderen, besonders im technischen Bereich, arbeite sie noch. Doch das sei sekundär. »Das Wichtigste ist für mich aber ganz klar gewesen, dass ich spüre, wieder schnell zu sein« – ein Satz, der klingt, als hätte sie ihn monatelang im Kopf herumgedreht. Nun ist er raus. Und er klingt wie eine Befreiung.

In Andorra endet eine Saison, in der Suter nicht nur ihre Geschwindigkeit wiedergefunden hat, sondern auch ihre Stimme. Die, die Laura Pirovano gratuliert, ist nicht die Neidische, sondern die, die genau weiß, was die Italienerin gerade durchmacht. Und die, die sich selbst nicht mehr fragt, ob sie noch mithalten kann. Sie weiß es. Die Uhr hat es bestätigt.