Suter attackiert die strecke statt sich zu verstecken: bronze in val di fassa

Corinne Suter jagt wieder. Nicht die Uhr, nicht die Gegnerinnen – sie jagt die perfekte Linie. In Val di Fassa hat sie sie fast gefunden: Rang drei, 0,23 Sekunden hinter der italienischen Überraschung Laura Pirovano. Das klingt nach „nur“ Bronze, ist aber ihre beste Abfahrt seit 16 Monaten.

Der mittelteil war ein k.o.-schlag für das feld

Die 30-Jährige riss nach dem Rennen die Protektor-Brille herunter, Atemwolken in der klaren Bergluft. „Ich habe gemerkt, dass ich im letzten Drittel etwas Sicherheit gefahren bin“, sagte sie mit jenem Unterton, der Profis auszeichnet – nie zufrieden, immer hungrig. Doch der Mittelabschnitt, da war sie eine andere. Kein Schwungverlust, keine Ausfahrt aus dem Fallstrich, Ski auf Kante, 118 km/h Spitze. Dort hat sie die Konkurrentinnen abgehängt, bevor sie sie überhaupt sehen konnten.

Die Zahlen liefern den Beweis: Zwischenzeit eins im Split „Ciaslat“, 0,18 Sekunden Vorsprung auf Sofia Goggia, die spätere Siegerin. Was folgte, war ein Psycho-Duell mit der Piste. „Wenn du hier nur einmal zu frich aus der Kurve kommst, bist du draußen“, sagte Suter. „Die Felswände links und rechts schlucken keine Fehler.“

Ski fahren statt mitfahren lassen

Ski fahren statt mitfahren lassen

Vor einem Jahr noch saß sie im Sturm der eigenen Geschwindigkeit. Kreuzbandriss, anschließend die Angst, das Material könne wieder dominant werden. Jetzt erzählt sie, wie sie im Sommer mit dem Servicemann neue Kantenwinkel testete, wie sie nachts mit der Stirnlampe die Gleitbahnen abfuhr, bis die Ski quietschten wie auf Schienen. „Ich fahre wieder Ski, nicht die Skier fahren mit mir“ – das klingt nach einem Satz für Sponsoren, ist aber ihr persönlicher Turning-Point.

Das Podest in Val di Fassa war nicht nur ein Ergebnis, sondern ein Signal an das internationale Feld: Die Schweizerin ist zurück in der Spur, auf der sie 2020 Weltmeisterin wurde. Die nächsten Weltcups in Garmisch und Crans-Montana liegen vor ihr wie offene Tore. Und dahinter: die Heim-WM in Saalbach 2025.

Am Start herrschte Jubelstimmung, als Pirovano mit Bestzeit einfuhr. Suter klatschte in die Handschuhe, ging sofort zur Italienerin. Kein Show-Act, sondern ehrliche Freude. „Wenn alle jubeln, ist der Druck weg. Dann kannst du nur noch fahren“, sagte sie. Genau das hat sie getan – und dabei die eigene Saison gerettet. Die Bronze ist eingeschmolzen, der Schwung bleibt. Die Weltspitze ist wieder um 23 Hundertstel enger zusammengerückt. Für Suter ist das ein Anfang, kein Happy End.