Suhler volleyballerinnen stürzen dresden in den tiebreak und steuern auf historisches double zu
Die Nacht war noch jung, als die VfB-Frauen sich in der Mitte des Felds umarmten. 15:13 im fünften Satz – das 2:0 in der Serie, das erste Meister-Titel ihrer 56-jährigen Klubgeschichte nur noch einen Sieg entfernt. Dresden dagegen taumelt. Erst das Pokalfinale verloren, nun droht auch die Meisterschaft zu entgleiten.
Dresden wirft alles rein, suhl bleibt kühler
Die Halle an der Friedrich-List-Platz kochte. 3.400 Zuschauer, Trommelwirbel, LED-Wellen – alles schon gesehen in dieser Saison. Aber diesmal hielt der Druck nicht bis zum Ende. Nach dem 25:23 im Auftaktsatz glaubten viele an die Wende, doch Suhl antwortete mit einem 25:11, das wie ein K.o.-Schlag aussah. Es war nur der zweite Durchgang.
Im dritten Satz schlichen sich erstmals Nervosität und ein paar Zweifel ein. Dresdens Libero Lisa Izquierdo wehrte zwei Matchbälle ab, Annika Wigger knallte zum 26:24 auf. 2:1 – noch einmal offen. Was folgte, war kein Tennis, sondern ein Boxmatch: Suhl schlug mit 25:14 zurück, Dresden konterte im Tiebreak bis 13:13. Dann kam der Moment, über den später alle reden sollten: Zuspielerin Lina Alsmeier entschied sich für den schnellen Ball in die Mitte, Jana Franzisko verwandelte zum 14:13. Nächste Aufschlagserie, Dresdens Außenangriff landet im Netz. 15:13. Aus.

Statistik lügt nicht – suhls zuspiel ist der unterschied
Die Zahlen? 59 % Annahmequote bei Suhl, nur 48 % bei Dresden. Das machte den Unterschied im entscheidenden Satz, wo jeder Fehler sofort auf der Anzeige brannte. „Wir haben gelernt, in Dresden zu gewinnen“, sagte Trainer Alberto Bigarelli. „Letztes Jahr sind wir hier noch geplättet worden, heute haben wir die richtige Antwort gefunden.“
Für Dresden bleibt die Erkenntnis: Ohne die verletzte Diagonalangreiferin Louisa Lippmann fehlt der letzte Punch. Trainer Alexander Waibl wechselte sich in der Crunchtime mit seinem Personal leer, keine der Bankspielerinnen brachte frische Impulse. Die Serie kann jetzt nur noch mit einer Auswärtsrevolution gerettet werden – und die muss am Mittwoch in der hessischen Provinz beginnen.

Mittwoch in der siegener ballsporthalle – oder nie
Spiel drei steigt am Mittwoch, 19.00 Uhr, live auf Dyn. Suhl hat Heimrecht, 2.800 Plätze, längst alles ausverkauft. Gewinnt die Mannschaft um Kapitänin Denise Imoudu, ist das Double perfekt: Pokal plus Meisterschaft, beides in einem Jahr, beides gegen denselben Gegner. Dresden muss gewinnen, sonst ist die Saison vorbei – und die siebte Meisterscheibe weiter nur ein Traum seit 2021.
Die Spielerinnen haben bereits Feierverbot verhängt. „Erst die Arbeit“, postierte Alsmeier auf Instagram – begleitet von einem Emoji mit der Mund-zu-Geste. Die Arbeit heißt: drei Matchbälle verwandeln, dann darf getanzt werden. Bis dahin bleibt die Halle in Pelkum ein Pulverfass. Und Dresden? Muss nach vorne schauen oder untergehen.
