Sturm und salzburg liefern sich ein remis voller wucht und wenig zauber

1:1 im Liebenau – ein Ergebnis, das sich liest wie ein Schlag ins Wasser und trotzdem die Meisterschaft weiterhin in Atem hält. Sturm Graz verspielte die Chance, den Vorsprung auf den ewigen Verfolger auf sieben Punkte auszubauen, Salzburg stoppte die Mini-Krise und durfte nach drei Niederlagen wieder einmal jubeln. Die Wahrheit: Wer fußballerische Poesie suchte, wurde auf dem Platz nicht fündig. Dafür bot sich ein Lehrstück über Druck, Zweikampf und die österreichische Angst vor dem Ball.

Ein spiel, das keiner loben wollte – alle feierten trotzdem

54 Prozent Passquote bei Sturm, 58 bei Salzburg. Die Zahlen sind kein Tippfehler, sondern ein Spiegelbild. Sky-Experte Andreas Herzog sprach nach dem Abpfiff von „Hin-und-her-Schießen“, Ingolitsch nannte es ein „Ping-Pong-Spiel“, Beichler atmete trotzdem auf, weil seine Elf „den Fight angenommen“ habe. Die Rede ist von Tugenden, nicht von Kombinationen. Von Mentalität statt Meisterkasse. Und irgendwo haben sie alle recht: In einem Rennen, das im April schon auf Sprintstrecke wechselt, zählen vor allem Punkte, nicht Poesie.

Die erste Halbzeit gehörte Salzburg, Yorbe Vertessen nutzte die einzige klare Lücke (32.). Sturm antwortete mit dem Happy-End des Abschnitts: Jon Gorenc Stankovic köpfte in der fünften Minute der Nachspielzeit zum Ausgleich ein. Die zweite Hälfte: ein Krampf, kein Klassiker. Beichler verzichtete sogar auf Alajbegovic, weil dessen filigrane Technik „nicht ins Raster“ passe. Die Devise lautete: Ball weit weg, Zweikampf nah heran.

Die folgen: vier punkte vorsprung und ein nationalteam-rohr

Die folgen: vier punkte vorsprung und ein nationalteam-rohr

Die Tabelle verharrt im Modus „Sturm vorne, Salzburg dicht auf“. Vier Zähler trennen die Kontrahenten, zwölf Spieltage sind noch zu vergeben. Nächster Stopp: Länderspielpause. Elf Grazer und zwölf Salzburger düsen in alle Windrichtungen, kommen mit Rückflugkilometern und möglichen Ermüdungserscheinungen zurück. Sturm muss nach Wien zu Rapid, Salzburg nach Hartberg. „Fifty-Fifty-Spiele“, prophezeit Aiwu und meint: Die Meisterschaft wird nicht vom schönsten Tor, sondern von der tiefsten Substanz entschieden.

Salzburg findet sich in der Rolle wieder, die sie hasst: Jäger statt Gejagter. Sturm darf weiter träumen, muss aber lernen, dass große Vorsprünge nicht selbstverdienend sind. Und der Liga bleibt nur eins: hoffen, dass die Rückrunde mehr Fußball bietet als dieses 1:1, das allen Seiten reichte, aber niemanden wirklich glücklich machte.