Sturm graz verliert torschützen beganovic für wochen – u21-einsatz geplatzt
Der Meister trifft sich mit der Realität: Belmin Beganovic fehlt SK Sturm Graz mehrere Wochen, die Diagnose lautet schwere Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk. Der 21-jährige Stürmer wurde am Sonntag beim 5:2 in Wien von Austria-Keeper Christian Früchtl umgerissen, blieb liegen, versuchte noch zu limpen, musste aber nach zehn Minuten ausgewechselt werden. Die Grazer bestätigten am Dienstag, was die erste Untersuchung bereits vermuten ließ: Saison-Aus für den Angreifer, der mit drei Treffern und drei Vorlagen in 14 Bundesliga-Spielen bislang die einzige echte Neun im Kader war.

Die lücke ist größer als die tore
Trainer Christian Ilzer verliert nicht nur einen Torschützen, sondern seine einzige klassische Spitze. Beganovic lief in dieser Saison 1.232 Minuten, gewann 56 Prozent seiner Zweikämpfe im Sturmzentrum und eröffnete mit seinem Laufweg die Räume für die hereinziehenden Flügel. Ilzers System lebt von dieser vertikalen Verlagerung – ohne Beganovic droht die Staffelung ins Leere zu laufen. Die Alternativen: Mika Biereth ist geliehen und darf nicht gegen die Mutterklub Austria ran, Tommy Horn ist ein Acht-er, kein Neuner. Die Lösung könnte ein Systemwechsel sein, doch das braucht Zeit – und genau die haben die Steirer nicht, stehen sie doch nur zwei Punkte vor Red Bull Salzburg.
Die Folgen reichen über den Klub hinaus. Österreichs U21 verliert für die EM-Qualifikation gegen Belgien (27. März) und Belarus (31. März) ihren Topstürmer. Teamchef Peter Perchtold muss nun auf Nikolas Veratschnig (Wolfsberger AC) oder den erst 18-jährigen Philipp Wydra (Hartberg) zurückgreifen – beide haben in der Liga zusammen 217 Minuten auf dem Buckel. Die Zahl spricht Bände: In der Qualifikationsgruppe hat Österreich bisher neun Tore erzielt, Beganovic war an vier direkt beteiligt.
Der Verband reagierte sofort: Leihgeschäfte sind für Länderspiele seit 2022 verboten, also kann Ilzer nicht einmal auf Markus Pink (SCR Altach) oder Marcel Monsberger (Blau-Weiß Linz) zurückgreifen. Die interne Lösung heißt William Bøving – der Däne kann auf allen offensiven Positionen spielen, doch seine Quote von einem Tor in 16 Partien zeigt, dass er kein Ersatz, sondern eine Notlösung ist.
Für Beganovic beginnt nun ein harter Sommer. Die Reha dauert voraussichtlich acht Wochen, das Trainingslager in Rif (Start 19. Juni) verpasst er ebenso wie die ersten Quali-Spiele der neuen Europa-League-Saison. Der Sturm-Vertrag läuft 2025 aus, Verlängerungsgespräche waren geplant – nun stehen alle Zeichen auf Halten. Die Ablöse für einen 22-Jährigen mit Bänderhistorie sinkt in Zeiten von Klub-Genossenschaften und Gehaltsdeckeln rapide. Die Karriere des Wiener Neustädters hängt an einem sehnigen Faserbündel. Werden die Bänder halten, kann er im Herbst wieder angreifen. Halten sie nicht, droht der nächste Sturm – und dieser heißt dann Arztpraxis statt Meisterschaft.
