Strelows gewehr bleibt in kopenhagen – sein comeback in otepää läuft trotzdem

Justus Strelow reist ohne Gewehr, aber mit gebrochenem Finger und knallhartem Siegeswillen nach Estland. Der deutsche Biathlon-Sprinter will in Otepää seinen Saison-Fehlstart vergessen machen – und genau heute, beim 10-km-Sprint, schlägt die Stunde.

Der koffer kam, das gewehr blieb – und keiner lacht

Am Flughafen Kopenhagen begriff Strelow, dass seine Sporttasche den Anschluss verpasst hatte. „Mein Gewehr steckte drin“, sagt er trocken. Was folgte, war ein Einsatz für Airline-Mitarbeiter und Team-Staff: 24 Stunden später konnte der 29-Jährige die Waffe in Tallinn in Empfang nehmen – pünktlich zum Training. Der Zwischenfall passt zur Saison der deutschen Herren: holprig, aber irgendwie doch wieder auf Kurs.

Denn das DSV-Team braucht jetzt Punkte wie Strelows Finger Schutz. Nach enttäuschenden Olympia-Rennen in Antholz liegt Philipp Nawrath zwar noch in Reichweite der Top Ten des Gesamtweltcups (Rang 11), doch dahin wollen auch Johannes Kühn und der aufstrebende Leonhard Pfund. Der 21-jährige Pfund durfte trotz Strelows Rückkehr im Kader bleiben – ein klares Signal: Jungblut wird gefördert, nicht geduldet.

Otepää ist kein schneeparadies – es ist ein schauplatz

Otepää ist kein schneeparadies – es ist ein schauplatz

Die estnische Anlage gilt als technisch anspruchvoll, die Kurven eng, die Steigungen kurz aber brutal. Wer hier trifft, kann auch in Oslo bestehen. Wer hier versagt, bekommt Sommerferien vorgezogen. Die Startliste liest sich wie ein Who-is-Who der Sprint-Spezialisten: Quentin Fillon Maillet, Sebastian Samuelsson, Johannes Thingnes Bø – und eben Strelow, der in der verletzungsbedingten Pause analysiert hat, „wie schnell eine Saison kippen kann“.

Die ARD überträgt live ab 15.15 Uhr, Eurosport und DAZN schalten ebenfalls durch. Doch die echten Entscheidungen fallen auf der Schießkante hinter der Arena, wo Windböen über den See pfeifen und Schneekristallen den Lauf stehen lassen. Wer fünf Mal ins Schwarze trifft, spart 25 Sekunden – mehr als auf manchem Berglauf.

Für Strelow ist der Sprint ein Test, ob der gebrochene Finger wieder komplett belastbar ist. Für Bundestrainer Mark Kirchner ein Indikator, ob die Herren-Staffel von Antholz (Bronze) kein Eintagsflieg war. Und für die Fans: die letzte echte Chance, in dieser Saison deutsches Podest-Feuerwerk zu sehen, bevor die Tour in Oslo endet.

Strelow selbst will nach dem Rennen nicht über Koffer sprechen. „Ich will über Treffer sprechen“, sagt er. Wenn das Gewehr heute mitkommt, könnte es passieren. Falls nicht, bleibt immerhin die Geschichte – und die bringt keine Punkte, aber Klicks.