Stefan fischer: die regionalliga brennt – und die bosse zündeln weiter
Die Uhr tickt. Noch 16 Tage bis zur finalen AG-Regionalliga-Sitzung, und statt Konsens droht offener Bürgerkrieg. Klubs aus Ost, West, Nord und Bayern rebellieren gegen ihre eigenen Verbandsfürsten – und die DFL muss dem DFB per Notparagrafen unter die Arme greifen. Der Grund: Das Kompassmodell, das auf der dritten Runde noch mit 80-Prozent-Mehrheit beschlossen wurde, wurde in der vierten Sitzung von denselben Leuten gekippt. Jetzt liegt das Spielfeld in Trümmern, die Schuldfrage ist klar, und niemand will die Kosten tragen.
Blockierer in präsidentenmanier
Ralph Grillitsch, Chef von Carl Zeiss Jena, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wir wissen, dass Kern, Schaffert und Frymuth ihre eigenen Klubs hintergehen.“ Die Rede ist von BFV-Präsident Christoph Kern, NFV-Boss Ralph-Uwe Schaffert und DFB-Vize Peter Frymuth. Letzterer soll laut DFB-Angaben „nicht eingegriffen“ haben – was sich mit Protokollen aus der dritten Sitzung widerspricht, in denen alle drei dem Modell zustimmten. Die Kehrtwende folgte prompt, und die Spuren führen tief in die Machtzirkel des Amateurfußballs.
Die Revolte formiert sich unten. Marcus Uhlig von Rot-Weiß Oberhausen spricht von „Pfründe-Erhalt“ und fordert die Präsidenten auf, „nicht an eigenen Posten, sondern an der Zukunft ihrer Vereine zu denken“. In Bayern stimmten die Klubs in einer Krisensitzung mit deutlicher Mehrheit für das Kompassmodell – gegen die Linie ihres Verbands. Jürgen Igelspacher, BFV-Delegierter in der AG, wollte nur „ein Meinungsbild“ – bekam eine Ohrfeige. „Jede Veränderung ist besser als Stillstand“, heißt es intern.

Dfl rettet den dfb vor sich selbst
Weil Frymuth als DFB-Vize die operative Geschäftsführung blockiert, springt die DFL ein. Ihr Angebot: künftig nur noch ein überalterter Feldspieler und U21- statt U23-Teams in der Reserve. Ziel: Kickers Offenbach, Elversberg oder Mainz II sollen sich nicht länger gegen Bundesliga-Reservehorden durchboxen müssen. Die Liga will Qualität statt Quantität – und versetzt der Reform den letzten Stups Richtung Umsetzung.
Doch Uhlig warnt: „Scheitert der Prozess, verschärfen die organisierten Fanszenen ihre Proteste.“ Die Choreos sind längst geplant, die Sprüche schreiben sich von selbst. „Peter, Christoph, Ralph-Uwe – ihr habt die letzte Chance!“
Die Zahlen sind schonungslos: Der NOFV-Vorsitzende Rolf Winkler zählte 74 Prozent der Regionalliga-Klubs für das Kompassmodell, Tendenz steigend. Bleibt die Blockade, droht ein außerordentlicher Bundestag 2026 – mit ungewissem Ausgang für die Amateurfußball-Establishment.
Grillitsch schickt seinen Schlachtruf vorab: „Wir lassen uns das nicht kaputt machen. Nach dem 25. März zählt nur noch Taten – oder die Wählerzettel.“
