Zwölf tage, die den scudetto entscheiden: inter startet endspurt ohne lautaro
Der Frühling wird zur Zerreißprobe. Zwischen Samstag und dem zweiten April-Wochenende bestimmen vier Partien, ob Inter Mailand die Meisterschaft einfährt oder die rote Angst zurückkehrt. Trainer Cristian Chivu hat die Marschrichtung klar: Sieben Punkte Vorsprung auf den AC Milan müssen über Berg und Tal gerettet werden – mit Atalanta, Fiorentina, Roma und Como in genau dieser Reihenfolge.
Der plan: „scollinare“ heißt das stichwort
Im Trainingslager von Appiano Gentile steht ein handgeschriebenes Blatt am Schwarzen Brett: „Scollinare – über den Pass gehen.“ Gemeint ist der gefürchtete Frühjahresdurchhänger, der Inter in drei der letzten vier Saisons um Titel kostete. 2022 platzten nach dem Frühjahr die Reifen, 2023 folgten vier Niederlagen im März/April. Die Statistik kennt Chivu, der als Interimsnachfolger von Simone Inzaghi die erste Meisterschaft seiner Karriere vor Augen hat.
Der Auftakt gegen Atalanta verspricht Drama. Die Dea kassierte in München ein 0:6, wird dafür in San Siro mit offenem Visier antreten. Calhanoglu fehlt wegen Faserriss, Lautaro Martinez laboriert an einer Muskelblessur. Ohne seinen Captain erzielte Inter in den letzten fünf Spielen nur fünf Treffer – zwei nach Ecke, einen per Elfmeter. Die Torquote ist das unausgesprochene Problem.

Fiorentina und roma warten in der hitze
Nach dem Auftakt folgt ein Frischetest beim AC Florenz. Der Franchi gilt als Kessel, zudem will Vincenzo Italiano mit den Gigliati die Champions-League-Ränge festigen. Chivu hofft auf die Rückkehr seines Captains, doch das Medizin-Camp drückt die Daumen: Ein Muskelbündelriss ist kein Schnupfen. Fällt Lautaro erneut aus, muss Marcus Thuram allein die Abwehrketten sprengen.
Danach kommt José Mourinho zurück nach Mailand – mit einer Roma, die unter Daniele De Rossi neue Impulse erlebt. Die Giallorossi jagen die Europa-League-Plätze, haben in 2024 bereits 19 Punkte geholt. Das 0:0 im Pokal-Hinspiel gegen Como war ein Warnschuss: Inter brauchte 23 Torschüsse für keine Eintrage. Wenn die Chancenverwertung nicht steigt, flattert das Scudetto Richtung Lombardia.

Como-finale und die folgen
Der letzte Gegner im Mini-Zyklus heißt Como. Die Larianer sind Überraschungsgast in der oberen Tabellenhälfte, haben mit Cesc Fàbregas einen Spielertrainer, der den Ball schneller verteilt als manche Software. Gewinnt Inter dort, winkt ein Restprogramm mit Cagliari, Torino, Parma, Lazio, Verona und Bologna – alles machbar, nichts geschenkt.
Verliert die Beneamata Punkte, während Milan in dieser Phase bei Lazio und Napoli ran muss, schmilzt der Vorsprung auf drei Spiele. Die rote Laterne der Vergangenheit leuchtet: 2022 verspielte Inter sieben Punkte Vorsprung innerhalb eines Monats. Die Angst ist angekommen, selbst wenn niemand sie laut ausspricht.
Die nächsten zwölf Tage sind kein Sprint, sondern ein Marathon mit vier Steigungen. Chivus Mannschaft muss ohne ihren Torschützenkönig und ohne verletzten Regisseur auskommen. Die Frage ist nicht, ob der Scudetto an diesen April-Wochenende hängt – sondern ob Inter ihn noch rechtzeitig einpackt, bevor der Frühling zur Falle wird.
