Zwickau feiert europapokal-halbfinale und jagt nächsten rekord
1.500 Fans zogen am Dienstag durch die Nacht, angeführt von zwei knatternden Trabant. Ziel: die „Halde“, wo einst Celtic Glasgow geschlagen wurde. Anlass: 50 Jahre Europapokal-Halbfinale – und eine Regionalliga-Mannschaft, die seit 26 Heimspielen nicht mehr verloren hat.

Am abend traf vergangenheit auf gegenwart
Die BSG Sachsenring, heute FSV Zwickau, warf 1976 Panathinaikos, Florenz und Celtic aus dem Bewerb. RSC Anderlecht mit Rensenbrink und Van der Elst stoppte den Traum erst im Halbfinale. Jürgen Croy stand damals im Tor, nun steht er im Fanblock und zollt Robin Lenk Respekt. „Das hier ist keine Retro-Show, das ist gelebte DNA“, sagt der Sportdirektor, während er sich von Selfie zu Selfie durch die Menge arbeitet.
Die Zahlen dahinter sind hart wie der Kohlestaub im Erzgebirge. Drei Millionen Euro Verbindlichkeiten, kein Trainer, eine Handvoll Profis – das war 2023. Heute: unter einer Million Schulden, 26 Heimspiele ohne Niederlage, ein Trainer, der seine Gegner vor der Presse beim Vornamen nennt, und ein Kader, der die Würzburger Kickers und ihre 33 Spiele im Visier hat.
Rico Schmitt pflegt den Mythos nicht, er lebt ihn. Seine Mannschaft spielt Pressing, als wäre die DDR noch aktiv. Das 4-0 gegen Hertha Zehlendorf war kein Ausreißer, sondern die logische Folge eines Systems, das Fehler sofort bestraft. „Wir lassen noch Punkte liegen, klar“, sagt Lenk. „Aber wer hier oben steht, muss nur noch konstant wütend spielen.“
Die Fans verstehen die Sprache. Sie bauen ein Tifo, das Croy in Schwarz-Weiß zeigt, daneben das heutige Team im Retro-Trikot. Dazwischen ein Satz: „1976 Europa, 2025 Würzburg einholen.“ Kein Pathos, nur Programm.
Am Freitag geht’s nach Halle. Bei einem Sieg fehlen nur zwei Zähler auf Platz zwei, die Partie ist noch nachzuholen. Lenk schaut aufs Handy, checkt die Tabelle, dann wieder in die Runde. „60 Punkte, das ist keine Fantasie. Das ist Mathematik.“
Die Legendentafel ist enthüllt, die Trabis ausgeknipst, der Rekord greifbar. In Zwickau mischt sich Staub von 1976 mit Adrenalin von 2025. Wer hier verliert, verliert gegen Geschichte – und gegen eine Mannschaft, die gerade selbst welche schreibt.
