Zweijahres-sperre trotz liebe: wie anna bader vom eigenen partner gedopt wurde
Anna Bader stand in der Küche, als die Staatsanwälte klingelten. Drei Beamte, ein Durchsuchungsbescheid, zwei Kinder, die sich einschlossen und weinten. Der Vorwurf: Ostarin im Urin. Die Wirklichkeit: ein Partner, der heimlich Muskelaufbau-Kapseln schluckte und seine Freundin mit dem Stoff infizierte. Jetzt ist klar: Die 42-jährige Klippenspringerin wird bis Juni 2026 gesperrt – obwohl sie nie aktiv gedopt hat.
Die substanz kam über nacht, die karriere rutschte über nacht
Die NADA fand 4 Nanogramm Ostarin pro Milliliter. Keine Dosis, die Muskeln wachsen lässt, aber genug, um ein Verfahren zu eröffnen. Bader musste sich erklären, wofür es keine Erklärung gab. Erst Wochen später gestand ihr Ex-Partner Kris K., er habe ein Supplement aus dem Internet bestellt. Die Kapseln waren mit dem SARM verschnitten. Über Körperflüssigkeiten, gemeinsames Handtuch, vielleicht ein Kuss – die Spur landete in ihrem Körper.
Die Folge: keine Wettkämpfe, kein Training, kein Schwimmkurs für Kinder. Selbst das Ehrenamt im TSV Morbach wurde untersagt. „Ich durfte nicht mal sagen, warum“, erzählt Bader. „Stell dir vor, du verschwindest von heute auf morgen, und niemand darf fragen.“

Ein präzedenzfall aus frankreich rettete den ruf
Die Rettung kam aus Lausanne. Der CAS sprach die französische Fechterin Ysaora Thibus frei – dieselbe Substanz, derselbe Übertragungsweg, nur intensiveres Küssen. Bader ließ Haare und Nägel in ein Pariser Labor schicken. Das Ergebnis: keine chronische Einnahme, nur eine einmalige Kontamination. Die NADA musste das zweite Gutachten akzeptieren, reduzierte die Sperre auf 24 Monate und räumte ein: kein Vorsatz.
Für Bader ist das mehr als ein juristisches Sieg. „Dieser Satz ‚keine Anhaltspunkte für Vorsatz‘ ist meine Reputation“, sagt sie. „Google wird ihn nicht an die erste Stelle setzen, aber er steht jetzt schwarz auf weiß.“

Nach der sperre kommt der aufschrei
Seit drei Monaten darf sie wieder trainieren. Ob sie bei der EM in Paris startet, weiß sie noch nicht. Sicher ist: Sie wird springen. „Nicht für Medaillen, sondern für mich.“ Parallel gründet sie die „Anna Bader Initiative für Fairness“. Beratung für falsch Beschuldigte, Datenbank kontaminierter Produkte, Vorträge vor Bundestag und NADA. „Wenn das System nicht lernen will, muss ich eben lehren.“
Ein Buch ist auch fertig: „Auftauchen“. Darin beschreibt sie, wie sie nachts Web-Seiten über Pharmakokinetik druckte, während ihre Kinder nebenan schliefen. Und wie sie in der psychiatrischen Notaufnahme saß, weil sie nicht mehr atmen konnte unter der Last des Verdachts.
Am 13. Juni 2026 fällt der Bann. Dann will sie wieder auf die 20-Meter-Plattform steigen – ohne Mikrofon, ohne Kameras. Nur mit dem Wissen: Ein Nanogramm kann eine Karriere beenden, aber eine Stimme kann ein System bewegen. Sie hat beides erlebt.
