Zverevs rasen-fluch: kann er wimbledon brechen?
Alexander Zverev hat bei den French Open bewiesen, dass er zu den besten Tennisspielern der Welt gehört. Doch in Wimbledon droht ihm eine weitere Enttäuschung. Seine schiere Größe, einst als Vorteil angesehen, könnte sich auf dem Rasen als Achillesferse herausstellen – ein paradoxes Schicksal für den Aufstiegsfavoriten.

Die rasen-herausforderung: mehr als nur größe
Zverevs Triumph in Paris wirft einen langen Schatten. Der Sieg war hart erkämpft, doch die Freude wird von der ungewissen Zukunft auf Rasen getrübt. „Der ausschlaggebende Faktor im Tennis auf Rasen ist, wie du dich auf dem Belag bewegen kannst“, erklärte der Hamburger bei Sky. Seine Körpergröße von knapp zwei Metern und die 95 Kilogramm machen das Rutschen und schnelle Richtungswechsel auf dem glitschigen Untergrund zur echten Herausforderung. Ein bitterer Seitenhieb seines eigenen Erlebens:
„2024 spielte ich unfassbar gut auf Rasen. Ich sagte damals, dass ich mich so gut wie noch nie fühle. Und was passiert? Ich rutsche aus und breche mir einen Knochen im Knie.“ Eine Verletzung, die nicht nur seinen Körper, sondern auch seine mentale Stärke auf die Probe stellte. Die Erinnerung daran nagt an ihm, während er sich auf Wimbledon vorbereitet.
Andrea Petkovic, ehemalige Top-Spielerin, kennt das Problem nur zu gut: „Ich weiß, wovon er spricht, habe selbst Rasen nie richtig gemeistert. Du bewegst dich dort einfach unsicherer.“ Die Bälle prallen anders ab, der Rasen ist unberechenbar, und Zverevs hohes Schwergewicht verstärkt das Gefühl der Instabilität. Selbst sein immenser Aufschlag, der ihn sonst so stark macht, kann auf dem ungewohnten Untergrund zum Nachteil werden.
Ein Blick auf die Statistik offenbart die Wahrheit: Zverevs Siegquote auf Rasen (66,7 Prozent) ist deutlich niedriger als auf Sand (74,1 Prozent) und Hartplatz (69,2 Prozent). Er hat noch kein Turnier auf Rasen gewonnen, obwohl er dreimal im Finale stand. Seine bisherige Bilanz bei neun Wimbledon-Teilnahmen liest sich bestenfalls mittelmäßig: Er erreichte nie das Halbfinale.
Doch es gibt Hoffnung. Petkovic sieht durchaus Potenzial: „Wenn Sascha die ersten Runden übersteht und Glück in der Auslosung hat, dann wird er sich wohlfühlen. Da könnte richtig was gehen.“ Der Schlüssel liegt darin, sich anzupassen, den Aufschlag zu optimieren und vor allem das Risiko zu minimieren. Nur so kann Zverev seinen Rasen-Fluch brechen und den Wimbledon-Titel in die Höhe stemmen.
Die Wimbledon-Funktionäre haben 2001 die Rasensorte geändert, hin zu rein deutschem Weidelgras. Dieser Untergrund ist langsamer und die Bälle prallen höher ab – eine Entwicklung, die Zverevs Spielstil zusätzlich herausfordert. Die Hitze könnte ihm jedoch zugutekommen, denn je heißer es wird, desto mehr Zeit hat er, sich ideal zum Ball zu positionieren. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Zverev seine körperlichen und mentalen Grenzen überwinden kann und Wimbledon tatsächlich in greifbare Nähe rückt.
