Zverev räumt berretini ab – indian wells wird jetzt ernst
1:12 Stunden. Mehr brauchte Alexander Zverev nicht, um Matteo Berrettini an der Sonne der Wüste Kaliforniens abzufertigen. 6:3, 6:4 – Zahlen, die wie ein Trainingsspiel klingen, aber ein Signal sind.
Der aufschlag war ein gewehr, kein service
89 % Punkte nach dem ersten, 82 % nach dem zweiten Aufschlag. Wer so auftritt, darf getrost von „Serve & Surf“ sprechen. Berrettini, einst Wimbledon-Finalist, kam nicht einmal ans Netz, geschweige denn zu Break-Bällen. Die Statistik liest sich wie ein Lehrbuch: klar, präzise, brutal. Und das bei 20 Grad im Schatten, Mittagshitze, die sonst die Beine schwer macht – nicht aber Zverevs.
Die Arena schwappte fast leer, weil viele Zuschauer lieber Essen holten. Als sie zurückkehrten, war das Match vorbei. Ein deutsches Raunen ging durch die Tribünen: „War das alles?“ Ja, das war alles. Berrettini verließ mit gesenktem Kopf den Court, die Hand noch an der Hüfte – eine alte Verletzung, die ihn erneut zu stechen scheint.

Der letzte deutsche – und das bedeutet druck
Altmaier raus, Struff raus. Damit bleibt Zverev als einziger Verkörperer des DTB-Flags übrig. Die Draw-Karte vor ihm zeigt keine Rosen, sondern Dornen: Nakashima oder Carabelli warten zunächst, doch dahinter lauern Djokovic, Sinner, Alcaraz. Ein Halbfinale wäre nach neun Jahren zum ersten Mal wieder drin – wenn er die Schiene sauber durchzieht.
Die Wüste hat ihre eigenen Gesetze. Wer zu spät kommt, den bestraft die Sonne. Wer zu früh tritt, den erwischt der Wind. Zverev ist pünktlich. Und er hat einen Doppel-Titel im Gepäck, geerntet in Acapulco, Seitenhieb inklusive: „Man sieht, dass mein Netzspiel besser wird.“ Das klang nicht nach Selbstlob, sondern nach Warnung.
Indian Wells gilt als kleines Grand-Slam-Light. Die Bälke fliegen tief, der Hartplatz springt wenig. Für Aufschlagriesen ein Fest – für Rückschläger eine Qual. Berrettini musste das am eigenen Körper erfahren. Jetzt darf Zverev die Nacht durchschlafen, ohne an Kaliforniens Viertelfinal-Fluch zu denken. 2015 war er das letzte Mal so weit. Seitdem blieb er stecken. Das Stadion erinnert sich, die Fotografen auch. Doch diesmal trägt er ein anderes Gesicht: entspannter, lauter, gefährlicher.
Morgen steht die nächste Herausforderung an. Wer zuvor denkt, verliert. Wer denkt wie gestern, gewinnt. Die Uhr tickt, die Wüste auch. Und Zverev? Der ist längst auf dem Weg zum Court, bevor die Sonne aufgeht. Weil er weiß: In Indian Wells vergeht keine Stunde ohne Brutalität. Und er will der sein, der sie austeilt.
