Zverev jagt sinner und die geschichte: indian wells brennt

Ein einziger Sieg trennt Alexander Zverev davon, der erste Deutsche seit Boris Becker zu sein, der ins Endspiel von Indian Wells einzieht. Der Haken: Jannik Sinner steht zwischen ihm und dem Traum – und der Italiener hat seit zwei Jahren seinen Faden an Zverevs Schläger gebunden.

Die serie, die nagt

Fünfmal trafen sie seit 2023 aufeinander, fünfmal verließ Zverev als Verlierer den Platz. Kein deutscher Spieler hat Sinner seitdem auch nur einen Satz abgenommen. Die Zahlen sind gnadenlos: 0:5, 0:11 im Head-to-Head seit dem vergangenen September. Doch wer die Statistik kennt, weiß auch: Serien leben von dem Moment, in dem sie brechen. Und dieser Moment trägt in der Wüste Kaliforniens den Namen Saturday Night.

Um 21 Uhr deutscher Zeit schlägt der Ball auf dem Center Court auf, die Bänke sind mit VIPs gespickt, die Temperatur fällt auf 18 Grad – ideale Bedingungen für Zverevs Serve-and-Volley-Variationen. „Ich habe nichts zu verlieren“, sagte er nach dem Viertelfinale gegen Arthur Fils, das er in 67 Minuten abwickelte. Die Aussage klingt nach Kampfansage, ist aber ehrlich: Verlierer ist er ohnehin schon laut Ranking, Sieger wäre er mit einem Schlag Geschichte.

Elitärer klub der vier

Elitärer klub der vier

Mit dem Halbfinale hat Zverev sich bereits in einen Klub eingekauft, den nur Nadal, Federer, Djokovic und Murray zuvor betreten durften: Alle neun Masters 1000 mindestens einmal unter die letzten Vier. Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who der Open Era. Becker schaffte es nie, Tommy Haas ebenfalls nicht. „Das ist kein Trostpreis, das ist ein Lebenswerk“, sagte Zverev, während er sich die Schläger bandagierte. Die Trophäe jedoch steht noch in einem Glaskasten, der Schlüssel trägt Sinner im Hosensack.

Der Italiener spielt nicht nur schneller, er denkt auch schneller. Seine Return-Position auf der Basislinie erlaubt ihm, Zverevs Aufschlag früh zu attackieren – genau jene Waffe, die dem Deutschen sonst Sicherheit gibt. In den vergangenen Duellen zerbrach Zverev genau dort: 37 Prozent erste Aufschläge im Feld, 19 Doppelfehler in den letzten drei Matches. Sinner liest die Tells wie ein Pokerspieler, der weiß, wann der Gegner blufft.

Beckers schatten und die 37 jahre wartezeit

Beckers schatten und die 37 jahre wartezeit

1988 schwang Becker in der Wüste den Siegerpokal. Seitdem wartet Deutschland auf eine Wiederholung. Die Generation um Kiefer, Haas und Kohlschreiber scheiterte, Zverev junior schaffte 2021 das Halbfinale, verlor aber gegen Medvedev. Nun ist er älter, schwerer, aber auch klüger. „Ich weiß, dass ich zwei Stunden lang die perfekte Mischung aus Aggression und Geduld spielen muss“, sagt er. Zwei Stunden, um 37 Jahre zu jagen.

Die Wetter-App zeigt Windböen bis 25 km/h an, genug, um Sinners Timing zu stören. Zverevs Team hat zusätzliche Blei-Bänder an den Schlägern befestigt – mehr Masse, mehr Stabilität. Es sind die Details, die in Nachtmatches entscheiden. Und es ist die Mentalität, die ihn in Melbourne 2021 zum Olympiasieger machte, obwohl alle gegen ihn wetteten.

Die Uhr tickt. In der Lounge laufen Highlights der 90er, Becker schlägt einen Passierball. Draußen bereitet Zverev sich vor, die Kopfhörer auf, die Musik laut. Er weiß: Serien enden, wenn jemand sie beendet. Heute Nacht will er derjenige sein.