Zverev dreht 0:4-debakel gegen garín und donnert ins achtelfinale

Monte Carlo – Ein Satz weg, 0:4 im dritten, drei Breakbälle gegen sich. Da schlug Alexander Zverev nicht mit dem Racket auf den roten Asche, sondern in die Tasten seines Spiels. 4:6, 6:4, 7:5 steht am Ende gegen Cristian Garín – und ein Aufschrei der Erleichterung im Fürstentum.

Zverevs zweites leben nach dem 0:4-loch

Die Zahlen lügen selten: Beim Stand von 0:4 im Entscheidungssatz gewinnen Profis nur alle fünf Matches. Zverev nutzte die 20-Prozent-Lücke, riss fünf Games in Folge, quittierte Garíns letztes Aufbäumen mit einem Inside-Out-Forehand, der noch in den Restaurants am Hafen nachhallte. Sein dritter Matchball war kein Geschenk – er erarbeitete sich mit Aufschlag-Druck und einer Sprint-Vorhand, die das Linienrichter-Trikot flattern ließ.

Die Uhr zeigte 15:19 GMT+2, als der Chileaner den Return ins Netz setzte. Zverev atmete tief durch, klatschte sich einmal ab – mehr Selbstgespräch als Jubel. Die letzte Saison war hier schon nach dem Auftakt vorbei, diesmal darf er weitermachen. Gegner am Freitag: Zizou Bergs, ein Belgier, der gestern noch Daniil Medvedev mit 6:0, 6:0 zerlegte und dessen Selbstvertrauen ebenso rot glüht wie die Monegassen-Tonne.

Was der sieg wirklich wert ist

Was der sieg wirklich wert ist

Der Sand in Monte Carlo ist kein normaler Sand. Er ist grober, langsamer – ein Spiegel für die Geduld. Zverev bewies sie in der zweiten Satzhälfte, schraubte den First-Serve-Prozentwert von 48 auf 68 hoch und verbannte die Doppelfehler, die ihn im ersten Satz lahmten. Garín, sonst so robust von der Grundlinie, wirkte plötzlich wie ein Mann, der vergessen hatte, wie man Schatten läuft.

Die Statistik am Netz: 31 Winner, 28 unerzwungene Fehler – ein Verhältnis, das Grand-Slam-Titelträger ausmacht. Aber die eigentliche Geschichte verbirgt sich hinter der Null. Zverev nämlich verwandelte keine einzene Breakchance im ersten Satz. Dann holte er sich fünf vom fünf im dritten. Das nennt der Franzose „remontada“, der Deutsche nennt es „Kopfsache“.

Mit jedem verschossenen Return von Garín wuchs die Lautstärke im Court Rainier III. Die Monegassen lieben einen Kampf, erst recht, wenn einer ihrer Stammgäste – Zverev wohnt nur wenige Kilometer die Küste hinauf – sich aus der Schlinge zieht. Als der 27-Jährige den letzten Punkt machte, klatschte sogar der ungerührte Sicherheitsmann an Eingangstor zwei mit.

Bergs lauert als nächste feuerprobe

Bergs lauert als nächste feuerprobe

Zizou Bergs hat in dieser Woche nichts zu verschenken. Der 25-Jährige schmetterte Medvedev in 57 Minuten vom Platz und servierte dreimal hintereinander auf 220 km/h. Gegen Zverev wird Tempo auf Taktik treffen – der Deutsche holte sich in der Vorbereitung einen Elektroroller, um die weiten Wege zwischen Hotel und Court abzukürzen. In Monte Carlo gilt das bereits als Psychospiel.

Für Zverev zählt nur eins: Wer aus 0:4 zurückkommt, trägt ein Schutzpanzer aus Selbstglauben. Das Achtelfinale ist erreicht, der Traum vom ersten Masters-Titel in seiner Wahlheimat lebt. Und wer weiß – vielleicht war das 4:5-Dreher gestern nur die Probefahrt für ein Finale, das ganz Monaco zum Stehen bringen könnte.