Zverev auf dem weg zum top-herausforderer: kohlmanns einschätzung

Alexander Zverev ist auf dem besten Weg, Jannik Sinner und Carlos Alcaraz herauszufordern – das ist die klare Ansage von Bundestrainer Michael Kohlmann. Im exklusiven Sport1-Interview zeichnete der erfahrene Coach ein differenziertes Bild der aktuellen Situation im deutschen Tennis, lobte Zverevs Entwicklung und sprach offen über die strukturellen Herausforderungen, vor denen der Deutsche Tennis Bund (DTB) steht.

Zverevs offensive: der schlüssel zum erfolg

Kohlmann sieht in Zverevs veränderten Spielstil einen entscheidenden Faktor für dessen Aufschwung. „Ich habe das schon Ende des vergangenen Jahres in Bologna so gesehen“, erklärte der Bundestrainer. „Dort hat er angefangen, sein Spiel in diese Richtung anzupassen. Er hat gut gearbeitet und die Anpassungen haben gefruchtet.“ Zwar blieb ihm bislang der Sieg gegen die absolute Weltspitze verwehrt, doch Kohlmann ist überzeugt: „Er ist für mich jetzt der einzige wirkliche Herausforderer gegenüber Sinner und Alcaraz. Ich bin mir sicher, dass er bei den anstehenden Masters oder Duellen irgendwann als Sieger vom Platz gehen wird.“

Die Niederlagen gegen Sinner wiegen schwer, das ist unbestreitbar. Doch Kohlmann sieht auch hier eine positive Entwicklung. „Das ist schwierig, denn wenn man den Platz betritt, kommt das alles wieder hervor, was man in den Wochen davor erlebt hat.“ Er ist jedoch zuversichtlich, dass Zverev die nötige Erfahrung besitzt, um neue Matchpläne zu entwickeln und sich anzupassen, wie bereits in Miami angedeutet, wo es nur an ein paar Punkten scheiterte. „Gerade in der Sandsaison kann das ein oder andere Duell auch mal für ihn ausgehen.“

Nachwuchs und strukturelle defizite: wo der dtb nachlegen muss

Nachwuchs und strukturelle defizite: wo der dtb nachlegen muss

Während Zverev glänzt, sieht Kohlmann im Bereich des deutschen Tennisnachwuchses noch Nachholbedarf. „Die Matches können wir nicht gewinnen“, relativierte er die Erwartungen, erinnernd daran, dass der Weg zum Tennisprofi hart und langwierig ist. Er hob Martin Landaluce als Beispiel hervor, der ebenfalls eine Phase relativer Ruhe durchlaufen hat, bevor er in Miami sein Potenzial zeigte. „Die Jungs brauchen Zeit und müssen sich langfristig weiterhin so gut entwickeln, wie sie es zuletzt schon getan haben.“

Besondere Aufmerksamkeit gilt Justin Engel, der als einziger Spieler unter 19 Jahren unter den Top 200 steht. Kohlmann riet ihm, „Ruhe reinzubringen, eine gewisse Kontinuität und seine Rituale und seine Strukturen herzustellen“. Mit Carl-Uwe Steeb im Hintergrund sei er jedoch zuversichtlich, dass Engel diese Herausforderung meistern wird.

Auch strukturell gibt es Verbesserungspotenzial. Kohlmann betonte, dass Deutschland im Vergleich zu Tennisnationen wie Italien, die eine Vielzahl von Turnieren auf allen Leistungsstufen anbieten, noch Luft nach oben hat. „Wir sind mit je vier Turnieren bei der ATP und WTA auf dem Top-Level sicher ganz gut vertreten“, räumte er ein, „aber dass wir da mehr Turniere bekommen, ist utopisch. Auf dem Level darunter haben wir in den letzten Jahren leider einige Verluste hinnehmen müssen.“

Der blick nach vorn: davis cup und grand slams

Der blick nach vorn: davis cup und grand slams

Mit Blick auf den Davis Cup äußerte Kohlmann den klaren Anspruch, den Titel zu gewinnen. Das Team wolle Kroatien schlagen und sich für die Endrunde qualifizieren. Und was wünscht er sich für das deutsche Tennis im laufenden Jahr? „Ich würde mir einen Grand-Slam-Sieg von Sascha wünschen. Und dass die jungen Spieler ihre Entwicklung fortsetzen und ihre Positionen in der Weltrangliste festigen.“

Die kommende Saison verspricht aufregende Entwicklungen im deutschen Tennis. Ob Zverev seine Ambitionen in die Tat umsetzen und den ersehnten Grand-Slam-Titel gewinnen kann, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Der deutsche Tennis-Sport befindet sich im Wandel, und die Zukunft verspricht spannende Momente.