Zaragoza reist vom abstiegsplatz zum wunder: navarros siegesserie befeuert hoffnung

Vor vier Spieltagen noch Letzter, acht Punkte hinter dem rettenden Ufer – jetzt tanzt Real Zaragoza im Tabellenkeller auf einmal mit den Großen. Vier Spiele, neun Punkte, nur zwei Gegentore: David Navarro hat den Zombie-Klub wiederbelebt und die Buchmacher umdenken lassen.

Die wende in 360 minuten

Die Rechnung ist gnadenlos. Unter Rubén Sellés holte Zaragoza in 18 Partien 13 Punkte – durchschnittlich 0,72 Zähler pro Spiel. Unter Navarro sind es 2,25. Dreimal gewonnen, einmal mit 0:2 in A Coruña verloren, aber selbst da: die erste Halbzeit dominiert, die Moral nie verloren. Die Fans, die vor Wochen noch ihre Trikots zerrissen, skandieren jetzt „Navarro, quédate“.

Der 39-Jährige war eigentlich nur Brandschutz. Am 11. März nach dem 0:1 gegen Burgos übernahm er interimsmäßig eine Mannschaft, die sich selbst nicht mehr ertragen konnte. Keine Pressekonferenz, keine Sommermärchen-Reden. Stattdessen: 4-2-3-1, kompakte Abstände, Ballbesitz nur mit Ziel. Erstmals seit Oktober gewann der Klub zwei Ligaspiele in Folge – gegen Cádiz und Almería, beide Aufstiegskandidaten. Die Null gegen Racing Santander war bereits die dritte in Serie.

Der restplan lügt nicht

Der restplan lügt nicht

Jetzt kommt der englische Wochenplan, der Zaragoza in die 2. Liga retten oder endgültig graben kann. Leganés (Platz 5), Mirandés (16), Córdoba (19) und Ceuta (18) – alles Teams, die seit Februar schlechter abschneiden als Navarros Revolutions-Truppe. Die Quoten der Wettanbieter stürzten von 15,0 auf 4,2 für den Klassenerhalt – ein Kurssturz, wie er selten ist.

Die Romareda wird wieder laut. 28.000 Karten sind für Sonntag gegen Leganés bereits weg, 8.000 mehr als im gesamten März. Die Stadtverwaltung prüft, die Straßenbahnlinie 4 zusätzlich in den Nachtverkehr zu schicken – so sehr frisst sich der Glauben durch das Viertel El Gancho. Und draußen vor dem Stadion verkaufen Händler schon T-Shirts mit Navarros Gesicht im Pop-Art-Stil.

Der Trainer selbst bleibt knochig. „Wir haben nur die halbe Strecke zurückgelegt“, sagte er nach dem 1:0 in Santander, während seine Spieler sich wie nach einem Titel feierten. Die Kabine gibt sich verschlossen, aber durch die Tür sickert Musik – 90er-Hits, die vor Monaten noch wie Hohn klangen. Denn wer hätte gedacht, dass ausgerechnet David Navarro, der Mann ohne Profi-Lizenz, der vor zwei Jahren noch die U19 trainierte, den Saison-Tod abwenden würde?

Die Antwort liegt im Trainingszentrum: 38 Kilometer Laufleistung im Schnitt, plus fünf im Vergleich zur Sellés-Ära. Die Zweikampfquote stieg von 46 auf 59 Prozent. Und die Torschuss-Statistik? Vorher 9,7 pro Spiel, jetzt 14,3. Kleine Zahlen, große Wirkung. Wenn Navarro am letzten Spieltag in Ceuta die Hand hebt, könnte Zaragoza dank besserem Direktvergleich sogar Relegation spielen – ein Szenario, das vor einem Monat noch in der Riege von UFO-Sichtungen gehörte.

Die Fans wissen: Glauben allein rettet nicht. Aber sie wissen auch: Ohne ihn wäre der Klub schon Geschichte. Am Mittwoch trainiert die Mannschaft öffentlich, 3.000 Menschen werden erwartet. Die Vereinslegende Pichi Alonso wird dabei sein, ein Mann, der 1987 den Pokal hob. Er sagte gestern im Radio: „Wir haben den Absturz gesehen, wir sehen den Aufstieg. Navarro hat uns die Augen geöffnet.“

Um 21.00 Uhr am Sonntag schlägt der Ball auf. Dann entscheidet sich, ob das Wunder nur ein Vorspiel war – oder der Beginn einer neuen Epoche. Die Buchmacher haben ihre Meinung geändert, die Stadt auch. Und die Spieler? Die laufen jetzt aufs Feld, als wäre jeder Schritt ein Befreiungsschlag. Weil sie gelernt haben: Selbst ein toter Klub kann atmen – wenn das Herz wieder schlägt.