Wüthrich blutend vom platz – yb kassiert sofort das 0:1

Gregory Wüthrich war gerade mal 180 Sekunden auf dem Rasen, da knallte ihm Josias Lukembila die Stirn ins Gesicht. Blut tropfte auf das Wankdorf-Grün, der Berner Innenverteidiger taumelte, das Medical Team winkte ab. Die Partie gegen Sion war für ihn gelaufen – und mit ihm die Hoffnung, die Saison ohne weiteren Knick zu überstehen.

Der kopfstoß, der alles änderte

Die Szene war so schnell wie brutal. Beide Spieler waren dem hohen Ball hinterher gestolpert, Lukembila setzte nach, Wüthrich wollte klären. Sekunden später lag der 29-jährige Österreicher auf dem Rücken, hielt sich die Nase, während sein Blick bereits wieder Richtung Spielfeld irrte. „Ich kann weitermachen“, schien er zu signalisieren. Doch das Blut ließ kein Versteckspiel zu. Die Untersuchung fiel eindeutig aus: Nasenbein, vielleicht mehr.

Für YB-Trainer Raphaël Wicky war es der nächste personeller Rückschlag in einer Spielzeit, die bereits jetzt als verkorkst gilt. Wüthrich hatte sich erst Anfang November einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und fiel acht Wochen aus. Sein Comeback Mitte Januar gegen St. Gallen war eines der wenigen Lichtblicke. Jetzt das.

Zoukrou tritt ein – und tritt daneben

Zoukrou tritt ein – und tritt daneben

Claudio De Capitani hatte noch nicht einmal die Anweisung vollständig durchgerufen, da musste Tanguy Zoukrou bereits ran. Der 22-jährige Franzose rutschte in der siebten Minute gegen Sion-Stürmer Renato Steffen, Referee Sandro Schärer zeigte sofort auf den Punkt. Donat Rrudhani ließ sich nicht zweimal bitten, schlenzte das Leder flach links unten rein. YB-Torhüter David von Ballmoos hatte die Ecke angepeilt, war aber zu spät.

Die Zahlen danach sprechen eine klare Sprache: Ohne Wüthrich kassierte YB in den letzten drei Spielen sieben Gegentore. Mit ihm nur zwei. Die Statistik ist kein Zufall. Der österreichische Abwehrchef bringt nicht nur Grätsche und Kopfballstärke, sondern vor allem Stabilität in eine Hintermannschaft, die sich seit Wocen wie ein Kartenhaus anfühlt.

Was die niederlage wirklich kostet

Was die niederlage wirklich kostet

Für die Berner war das 0:1 am Ende nur ein weiterer Schritt Richtung Mittelfeld. Platz fünf, neun Punkte Rückstand auf Lugano – die Meisterrunde ist längst zur Farce verkommen. Für Sion hingegen war der Sieg Gold wert. Die Walliser liegen jetzt einen Punkt vor Lugano auf Rang drei, dem letzten Ticket für die Champions-League-Qualifikation. Das Fernduell mit dem Tessiner Klub dürfte sich bis zum letzten Spieltag ziehen.

Wüthrich selbst wurde nach der Partie nicht mehr am Spielfeldrand gesichtet. Klubangaben zufolge wurde er sofort ins Inselspital gebracht, wo eine CT-Aufnahme Klarheit über den Grad der Verletzung bringen soll. Die Saison ist für ihn wohl beendet. Die Frage, die sich YB jetzt stellt: Wer rückt nach? Und wer stoppt die Roten im Sommer, wenn der nächste Anlauf genommen wird?

Die Antworten dürften wehtun.