Woltemade: warum der wm-stürmer auf seine chance wartet

East Rutherford – Nick Woltemade, der Mann, der Deutschland in der WM-Qualifikation mit seinen Toren voranbrachte, sitzt im Schatten. Während Julian Nagelsmann rotierende Einsatzminuten vergibt, bleibt der 24-Jährige auf der Bank. Ein Szenario, das angesichts seiner bisherigen Leistung und der knappen Entscheidungen im Sturmzentrum wenig nachvollziehbar erscheint.

Die tarnkappe und die ruhe nach dem sturm

Als Woltemade am Donnerstagabend das Stadion verließ, wirkte er alles andere als frustriert. Umgedreht die Kappe, ein freundliches Nicken – eine Szene, die im Kontrast zu der Enttäuschung steht, die viele Fans empfinden. Denn Woltemade ist einer von nur zwei Feldspielern im deutschen Kader, der bisher noch keine Minute bei dieser Weltmeisterschaft bestritten hat. Assan Ouédraogo, der junge Nachrücker, durfte man fast verstehen, doch Woltemade?

Seine Qualifikationsleistungen sprechen eine deutliche Sprache: In den wichtigen Duellen gegen Nordirland und Luxemburg war er der entscheidende Faktor. Alle drei deutschen Tore in diesen Partien trug er selbst bei – ein Verdienst, das der Mannschaft und dem Bundestrainer damals enorm weiterhalf. Doch warum setzt Nagelsmann nun nicht auf ihn?

Das „woltemade-problem“: havertz und die sturmspitze

Das „woltemade-problem“: havertz und die sturmspitze

„Das Problem ist simpel: Deutschland spielt mit einer echten Sturmspitze, und die heißt Kai Havertz“, erklärt Sport1-Chefreporter Stefan Kumberger im aktuellen WM-Podcast. Der Bundestrainer scheint fest von Havertz’ Fähigkeiten überzeugt zu sein. Deniz Undav, der als Backup ebenfalls im Rennen ist, profitiert von der Unterstützung der Fans – eine Position, die Woltemade aktuell nicht einnehmen kann.

Kumberger sieht Woltemade als Opfer der Umstände. „Für ihn gibt es im Moment einfach keinen Platz. Man hört ja nicht, dass er im Training schlecht performt, aber die Konkurrenz ist eben enorm.“ Ein Kurzeinsatz in einem Spiel, in dem die Verhältnisse klar sind, scheint derzeit die einzige Möglichkeit für den Stürmer zu sein – vorausgesetzt, Deutschland führt bereits deutlich.

Ein sechzehntelfinale ohne geschenk

Ein sechzehntelfinale ohne geschenk

Das bevorstehende Sechzehntelfinale gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner bietet keine ideale Gelegenheit, um Personal zu testen. Nagelsmann wird keine Geschenke verteilen, wie er bereits mit seiner Aufstellung gegen Ecuador bewiesen hat. Es ist gut möglich, dass Woltemade auch am Montag in Boston erneut auf der Bank sitzen wird. Die Diskussion um seine Situation und weitere spannende Themen rund um die deutsche Nationalmannschaft können Sie im neuen Sport1-Podcast „Die WM-Kabine“ hören.

Die Niederlage gegen Ecuador hat die Situation zusätzlich verkompliziert. Das Team muss jetzt liefern, und Nagelsmann wird sich auf die Spieler verlassen, die er bereits in den vorherigen Partien eingesetzt hat. Woltemade bleibt somit vorerst der stille Beobachter, ein Mahnmal dafür, dass Talent allein nicht immer zum Erfolg führt.