Wolfsburg versiebt rettung, gladbach rutscht immer tiefer

Null Nummern helfen niemandem. Der VfL Wolfsburg bleibt nach dem 0:0 gegen Borussia Mönchengladbach Tabellen-17. und damit erster Abstiegsplatz, die Fohlen sind seit fünf Partien sieglos und schauen immer öfter nach unten. Beide Teams verpassten am Samstag den Befreiungsschlag – und beide wissen nun: Die Saison wird bis zum letzten Atemzug.

Die erste minute hätte es verraten

Kevin Stöger und Franck Honorat schossen noch bevor die Uhr auf 0:60 stand, nur der Innenpfosten verhinderte das frühe 0:1. Gladbach spielte wie befreit, Wolfsburg wie gelähmt. Die Niedersachsen standen tief, kamen kaum raus, und als sie es endlich taten, traf Mohammed Amoura nur den Pfosten. Zweimal. Beide Male aus zwölf Metern, beide Male mit links, beide Male ohne Netzgeräusch.

Die Statistik nach 45 Minuten: 11:2 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 100 Prozent Frust für die Hausherrn. Doch Zahlen lügen selten, und sie lügen nie in der Relegationssaison: Wer seine Chancen nicht verwandelt, wird bestraft. Amoura wusste es, schüttelte den Kopf, lief zurück. Hecking stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wäre er selbst der Pfosten.

Zwei stürmer, ein ball, kein tor

Zwei stürmer, ein ball, kein tor

Kurz nach Wiederanpfiff die Szene, die alles sagte: Christian Eriksen legt quer, Aaron Zehnter und Amoura starten gleichzeitig, beide treffen den Ball, keiner trifft ihn richtig. Die Kurve hielt den Atem an, der Ball rollte ins Toraus. 50 000 Zuschauer johlten irritiert, auf dem Rasen stand Schweigen.

Gladbachs Trainer Eugen Polanski hatte vor Wochen noch von „Depression“ und „Angefressenheit“ gesprochen, nach dem 1:1 gegen Mainz. Nun wirkten seine Spieler bemüht, aber ideenlos. Die letzte glasklare Chance hatte Giovanni Reyna, der erst vier Minuten auf dem Platz stand. Kopfball, Pfosten, 85. Minute. Der US-Boy schlug die Hände vors Gesicht, die Wolfsburger Bank atmete auf.

Rote karte, rudel, referee

Rote karte, rudel, referee

Die Schlussphase war ein Mikrokosmos der Saison: Jens Castrop grätscht, trifft den Gegner hoch, sieht Rot. Es wird geschubst, geflucht, gestikuliert. Der vierte Offizielle trennt die Parteien, Polanski und Hecking brüllen sich an. Drei Minuten Nachspielzeit vergehen wie ein Marathonsprint. Dann Abpfiff. Keiner jubelt, keiner klatscht.

Die Tabelle lügt nie: Wolfsburg bei 28 Punkten, Gladbach bei 32. Zwischen beiden liegen nur zwei Plätze, aber eine Welt. Der VfL muss nächste Woche nach Leipzig, die Borussia empfängt Frankfurt. Beide Gegner spielen noch um Europa. Beide Tabellennachbarn spielen um pure Existenz.

Am Abend standen die Spieler lange auf dem Rasen, blickten auf die Anzeigetafel, als könne sie ein Wunder erscheinen. Keins kam. Stattdessen flimmerte die Zahl 17 in Neon über dem Volkswagen-Stadion. Sie wird sieben Tage lang nachbrennen.