Wolfsburg und bayern zerquetschen konkurrenten – sand raus, essen im halbfinale
Der DFB-Pokal der Frauen verliert seinen letzten Zweitligisten und gewinnt zwei Giganten im Gleichschritt: Wolfsburg schlägt Frankfurt 1:0, die Bayern demütigen den HSV 3:0. Zwischen den Zeilen sickert die Gewissheit: April, Halbfinale – dort wartet nur noch eine Frage der Machtverhältnisse.
Wolfsburg nutzt die einzig echte chance auf silber
Ralf Kellermann hatte es vorab gesagt: „Unsere einzig realistische Titelchance heißt Pokal.“ Die Wolfsburger Bescheidenheit ist Programm. Gegen Frankfurt reicht ein Tor, um die Königsdisziplin am Leben zu halten. Svenja Huth erledigt das Kunststück in der 35. Minute, 24 Stunden nachdem sie ihren Vertrag bis 2027 verlängert hatte. Die Kapitänin trifft, weil sie die einzige ist, die in der Box still steht, während alle anderen rennen. Frankfurt dominiert die erste halbe Stunde, verpasst aber die Entschlossenheit, Tore zu erzwingen. Danach übernimmt Wolfsburg das Tempo, kontrolliert Ball und Gegner, spielt die Uhr herunter. Die Elf, die den Pokal schon elf Mal gewann, wirkt nicht müde, sondern routiniert. Der Sieg ist schmal, aber seine Wirkung massiv: Der VfL lebt, die Meisterschaft ist längst an Bayern verloren.

Bayern starten mit geschenk und enden mit galavorstellung
Im Volksparkstadion braucht der Titelverteidiger sechs Minuten, um die Partie zu entscheiden – zumindest mental. Giulia Gwinn prescht rechts durch, ihre Flanke findet Edna Imade, die eigentlich nur dasteht, weil die HSV-Abwehr verpennt. Die frühe Führung entlarvt die Kluft zwischen Erst- und Regionalliga. Doch die Münchner bleiben hungrig. Erst nach der Pause schraubt Franziska Kett das Ergebnis auf 2:0, ein sehenswerter Doppelpass mit Lea Schüller öffnet die Abwehr. Natalia Padilla-Bidas krönt den Abend mit dem 3:0 in der 88. Minute, ehe die 12.638 Zuschauer den Rasen verlassen – ein Rekord für ein Frauen-Pokalspiel in Hamburg, der aber kaum jemandem wehtut, weil das Spiel selbst die Geschichte erzählt: Bayern sind nicht nur besser, sie sind gnadenlos effizient.

Sand scheitert an jena – und an der eigenen geschichte
Der SC Sand wollte den Märchenlauf fortsetzen, doch der zweite Zweitligist verliert 1:4 beim Tabellenletzten der Bundesliga. Die Ironie: Jena, das in der Liga verzweifelt um den Klassenerhalt zittert, findet im Pokal die Souveränität, die der Rest der Saison vermissen lässt. Sand führt zur Pause noch 1:1, kassiert dann aber drei Gegentore binnen 20 Minuten. Die Moral des Märchens: Wer als Underdog lebt, darf eine schlechte Halbzeit nicht überleben.
Essen erträmmert bremen – und sich selbst
Die SGS Essen steckt im Abstiegskampf, aber der Pokal schert sich nicht um Tabellen. Gegen Werder Bremen reicht ein Kopfballtreffer, um den Vorjahresfinalisten auszuschalten. Die Essener Fans feiern auf der Osttribüne, als wäre das Finale schon gebucht. Für den Klub ist der Sieg mehr als ein Ticket – es ist ein Beweis, dass die Saison noch ein Happy End finden kann. Die Mannschaft, die in der Liga zittert, besiegt die Mannschaft, die im Vorjahr um den Titel spielte. Der Pokal bleibt das letzte Refugium für Ungereimtheiten.
Die Auslosung folgt in der Nacht, das Halbfinale steht Anfang April. Bayern jagen das Double, Wolfsburg die Rettung, Essen das Wunder. Der Pokal lügt nicht – er liefert einfach die nächste Runde, in der nur noch die Besten oder die Glücklichen überleben.
