Wolfsburg: reitmaier schimpft – „kompletter witz“!
Der Abstieg ist vollzogen, die Stimmung am Vulkan bedrückend – und Ex-Torwart Claus Reitmaier lässt seiner Enttäuschung freien Lauf. Im exklusiven Gespräch mit Sport1 übt der frühere Bundesliga-Keeper scharfe Kritik an den Entscheidungen in Wolfsburg und wirft einen Blick auf die Zukunft, die er angesichts des Scherbenhaufens düster einschätzt.
Die ursachen des niedergangs: fehlentscheidungen und fehlende führung
„Erstmal Gratulation an Paderborn, verdienter Aufstieg!“, beginnt Reitmaier, der als Torwarttrainer dort selbst einmal zum Bundesliga-Aufstieg beigetragen hat. Doch die Freude darüber blendet nicht über das, was in Wolfsburg passiert ist. „Ja, total. Ein kompletter Witz.“, so seine unmissverständliche Einschätzung. Die finanzielle Situation sei eigentlich intakt, aber die Weichen seien falsch gestellt worden. „Wenn Wolfsburg absteigt, dann sagt das schon alles.“
Reitmaier sieht die Hauptursache in einer Verkettung unglücklicher Umstände und Fehlentscheidungen. „Vor einem Jahr hat manches noch funktioniert, aber diesmal war die Konstellation eine andere.“ Ein erfahrener Mann an der Seitenlinie hätte möglicherweise die Wende noch herbeiführen können. „Aber irgendwann konntest du das nicht mehr korrigieren.“ Die Heimspiele waren eine Katastrophe, ein Problem, das sich durch die gesamte Saison zog.
„Die Mannschaft war kein richtiges Team“, kritisiert Reitmaier offen. Christian Eriksen habe zwar herausragende Leistungen gezeigt und das Team vorangeführt, doch der Zusammenhalt ließ zu wünschen übrig. „Am Ende war es einfach zu brav.“

Umbruch und neue gesichter: kann vw den wiederaufstieg stemmen?
Die Kaderveränderungen werden enorm sein. Jonas Wind wird vermutlich einen neuen Verein suchen, Eriksen wird ebenfalls gehen, und weitere Abgänge sind wahrscheinlich. „In der zweiten Liga brauchst du Spieler, die kämpfen können – nicht nur Fußball spielen auf hohem Niveau“, betont Reitmaier. Die Unterstützung von VW ist dabei entscheidend. „Wenn sie sagen: Wir greifen direkt wieder an, ist es möglich. Wenn alles kleiner gefahren wird, kann es schwierig werden.“
Das Stadion, das selten ausverkauft war, habe in Wolfsburg einen Unterschied gemacht, so Reitmaier. Die fehlende Euphorie im Umfeld trug ebenfalls zu der Negativspirale bei.
Als möglichen Nachfolger für die Trainerbank schlägt Reitmaier Thomas Kleine vor, den er aus seiner Zeit bei Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf kennt. „Er hat immer nach vorne gespielt, keinen Sicherheitsfußball. Seine Mannschaften wollten immer gewinnen – egal, wie der Spielstand war.“
Reitmaier blickt zurück auf seine eigene Zeit beim VfL mit Stolz. „Wir hatten eine überragende Mannschaft mit Petrov, Klimowicz, Präger, Greiner, Akonnor, Ponte… Jede Woche war etwas los. Nach den Spielen wurde zusammen bei Robson Ponte gegrillt.“ Eine Ära, die in Erinnerung bleibt.
Doch die Gegenwart ist ernüchternd. Der Abstieg kann auch eine Chance sein, eine Chance für einen kompletten Neuanfang, für eine neue Struktur und eine neue Mentalität. Ob Wolfsburg diese Chance nutzen kann, wird die Zukunft zeigen. Eines ist jedoch klar: Die nächste Saison wird ein harter Kampf.
