Wm-drama: tahs heldentreffer zählt nicht – var-eklat sorgt für empörung
Jonathan Tah stand kurz davor, sich in die deutsche WM-Geschichte einzuschreiben. Der Kopfball zum vermeintlichen 2:1 gegen Paraguay in der 103. Minute – das Tor, das den Achtelfinaleinzug besiegeln sollte. Dann griff der VAR ein. Und alles war anders.
Der moment, der alles veränderte
Nathaniel Browns Ecke, Tah am langen Pfosten, wuchtig verwandelt. Die deutsche Bank tobte, Tah jubelte, das Stadion bebte. Doch in den Kopfhörern des marokkanischen Schiedsrichters Jalal Jayed piepte es. Waldemar Anton hatte sich mit Orlando Gill, dem paraguayischen Torwart, ein Duell geliefert. Ein Kontakt, kaum mehr. Gill ging zu Boden, richtete sich aber auf – noch rechtzeitig, um Tahs Kopfball zu sehen.
Der Video-Assistent intervenierte. Jayed lief zum Monitor. Was folgte, löste hitzige Debatten aus – nicht nur zwischen den Spielern, auch auf den Trainerbänken. Julian Nagelsmann und Gegenüber Gustavo Alfaro erhielten beide Gelb. Die Entscheidung: Tor aberkannt. Foul Antons.

Experten-empörung: „zu kleinlich, völlig unverständlich"
Patrick Ittrich, langjähriger Bundesliga-Schiedsrichter und TV-Experte bei MagentaTV, hielt nichts zurück. „Für mich ist das zu kleinlich. Natürlich gibt es einen Kontakt mit dem Torwart, aber ich sehe kein Wegstoßen, kein Wegdrücken, kein Festhalten."
Seine Analyse wurde deutlicher: „Den Schutz im Fünfmeterraum gibt es nicht mehr. Er hat nicht in den Arm gegriffen, er hat ihn nicht weggedrückt, er hat ihn nicht festgehalten." Anton habe tendenziell geschoben – „irgendwie ok, im Rahmen". Aber nicht als Grund für einen VAR-Eingriff.
Ittrichs vernichtendes Fazit: „Für mich daher nicht die richtige Entscheidung. Für mich am Ende leider die falsche Entscheidung vom Schiedsrichter und nicht korrekt."

Deutschland zittert sich ins elfmeterschießen
Ohne Tahs Treffer musste die DFB-Elf den Umweg über das Elfmeterschießen nehmen. Die Nervenprobe, die sich hätte vermeiden lassen können. Die Diskussion über den VAR-Einsatz wird diese WM überdauern – ein weiteres Kapitel in der endlosen Debatte um Technik und menschliches Ermessen.
Was bleibt, ist der bittere Nachgeschmack. Ein Spieler, der den entscheidenden Moment lieferte. Ein System, das ihn ihm raubte. Und eine Fußballnation, die sich fragt: Wann greift der VAR zu oft – und wann zu wenig?
