Wm-dominanz: europa schreibt fußballgeschichte – und kramer will sich entschuldigen?
Dortmund. Die Fußballwelt staunt – und Christoph Kramer hat möglicherweise doch recht gehabt. Während die Weltmeisterschaft in ihrer Endphase steht, zeichnet sich ein klares Bild ab: Europa dominiert das Viertelfinale. Sechs von insgesamt 16 Mannschaften, die das Turnier begannen, stammen vom UEFA-Verband und sind damit die absolute Mehrheit unter den letzten Acht.
Die zahlen lügen nicht: europäische übermacht
Frankreich, Spanien, Belgien, England, Norwegen und die Schweiz – diese Klubs repräsentieren den Kontinent und demonstrieren eindrucksvoll die Stärke europäischer Fußballnationalmannschaften. Nur Marokko (Afrika) und Argentinien (Südamerika) konnten sich in der K.o.-Phase behaupten. Ein Blick nach Asien und Nordamerika gestaltet sich hingegen ernüchternd: Von den neun asiatischen Teams ist kein einziges mehr im Rennen, und auch die drei Co-Gastgeber USA, Mexiko und Kanada scheiterten bereits im Achtelfinale.
Die Aufstockung der WM auf 48 Teams, die in Zukunft geplant ist, könnte zwar theoretisch mehr Teams aus anderen Kontinentalverbänden ermöglichen. Doch die aktuelle Entwicklung wirft die Frage auf, ob ein solches Vorgehen die Qualität des Turniers tatsächlich steigern würde. Die Dominanz Europas ist unbestreitbar, und das, obwohl der Kontinent von der Aufstockung proportional am wenigsten profitiert.

Kramer und mertesacker: ein seitenhieb und eine entschuldigung?
Christoph Kramer hatte bereits im vergangenen Herbst seine Zweifel an der Verteilung der Startplätze geäußert. „Ich finde es krass, dass wir in Europa nur 16 Teilnehmer haben“, so der frühere Nationalspieler. Eine Aussage, die ihm von seinem ZDF-Kollegen Per Mertesacker prompt um die Ohren geflogen ist, insbesondere nachdem sich Kap Verde im Sechzehntelfinale ein hartes Duell mit Argentinien geliefert hatte. Mertesackers Frage – „Wann entschuldigst du dich bei Kap Verde?“ – traf Kramer sichtlich. Dieser versuchte zwar zu relativieren, betonte aber, dass er sich vorrangig gewünscht hätte, Italien bei der WM zu sehen.
Doch die aktuelle Situation lässt Kramers ursprüngliche Aussage in neuem Licht erscheinen. Die europäische Dominanz im Viertelfinale ist so erdrückend, dass man sich fragt, ob Mertesacker sich nun nicht ebenfalls eine Entschuldigung schuldig fühlen sollte. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Bilanz in den kommenden Spielen weiter zugunsten Europas verschiebt. Die ersten zehn europäischen Teams hatten zwar anfänglich Schwierigkeiten, doch der Trend zeigt deutlich nach oben: 17 Siege, 12 Unentschieden und nur sieben Niederlagen gegen nicht-europäische Mannschaften sprechen eine deutliche Sprache.
Die deutsche Nationalmannschaft und die Niederlande scheiterten zwar an Teams außerhalb Europas, aber im Achtelfinale war die Bilanz eindeutig: 5:0 für Europa. Eine eindrucksvolle Demonstration der europäischen Stärke, die die Fußballwelt in Atem hält.
