Wm 2026: die abwehr als ungeschriebene heldentat
New York – Die Fußballwelt feiert die Torjäger, die Dribbelkünstler und die spektakulären Treffer. Doch hinter den glitzernden Offensivaktionen verbirgt sich eine bittere Wahrheit: Wer die WM wirklich gewinnen will, muss vor allem wenig Gegentore kassieren. Fabio Licari hat es aus erster Hand beobachtet.

Die rückkehr der defensivreihen
Während Messi, Mbappé und Co. die Stadien mit ihren Toren in Ekstase versetzen, scheint eine alte Tugend in den Vordergrund zu rücken: die Kunst zu verteidigen. 215 Treffer in der Gruppenphase – ein Rekord? Ja, aber die Geschichte lehrt uns, dass Titel oft von einer stabilen Defensive gewonnen werden. Erinnert man sich an 2006, als Buffon und Cannavaro eine nahezu undurchdringliche Mauer um das italienische Team errichteten, oder an 1982, als die legendäre Abwehrreihe um Zoff und Gentile kaum einen Schuss zu ließ.
Dieses Jahr in Amerika präsentiert sich ein ähnliches Bild. Klar, es gibt Namen wie Van Dijk und Marquinhos, die ihre Klasse untermauern, aber es ist eher die kollektive Disziplin, die auffällt. Spanien mit Cubarsí und Laporte, Argentinien mit Romero und Lisandro – sie lassen kaum Platz für Überraschungen. Die argentinische Abwehr, insbesondere, profitiert von der geschlossenen Mannschaftsleistung, die jeden Angriff abwehrt.
Ein Blick auf die Schlussmänner
Die zunehmende Taktik der gegnerischen Mannschaften, sich in der Hoffnung auf Konter hinter tiefen Linien zu verschanzen, hat die Rolle der Torhüter immens verstärkt. Room, Vozinha und Mpasi stehen zwar im Rampenlicht, aber auch etablierte Kräfte wie Alisson und Maignan beweisen ihre Bedeutung. Besonders der junge Verbruggen aus den Niederlanden hat das Turnier bisher stark geprägt, während Neuer mit einigen Unsicherheiten zu kämpfen hatte – ein Phänomen, das sich bei anderen Torhütern wie Muslera und Zidane wiederfindet.
Die mexikanische Abwehr mit Montes und Vasquez scheint derzeit am stabilsten zu sein, während Koulibaly und Gvardiol nicht die erwartete Leistung abrufen konnten. Akanji und die US-amerikanischen Innenverteidiger zeigen hingegen eine solide Leistung. Doch noch fehlt die Aura eines Beckenbauers oder Cannavaros, einer dominanten Figur, die die Abwehr an sich reißt.
Es bleibt abzuwarten, ob im Laufe der K.O.-Runden die körperlichen Duelle in der Box zunehmen und damit die Chance für einen neuen Defensivstar bieten werden. Denn eines ist klar: Die WM braucht auch einen Helden in der Abwehr, um ihre Geschichte zu vervollständigen. Die Teams, die in der Lage sind, ihre Abwehr zu stabilisieren, werden am Ende die Früchte ernten.