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Wm 2026: 48 teams, 104 spiele – das größte fußball-turnier aller zeiten

Vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 verwandelt sich Nordamerika in den Schauplatz der größten Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte. 48 statt 36 Mannschaften, drei Gastgeberländer, 16 Spielorte – die FIFA hat das Turnierformat so radikal erweitert, dass selbst eingefleischte Fans den Überblick verlieren könnten. Wer die Spiele live verfolgen will, muss sich auf Zeitverschiebungen von bis zu neun Stunden einstellen und womöglich den Wecker für Nachtschichten stellen.

Deutschlands frühes ausscheiden: das nagelsmann-debakel

Was für die deutsche Nationalmannschaft als Selbstverständnis begann, endete als Desaster. Der Auftaktsieg gegen Curaçao mit 7:1 täuschte über strukturelle Mängel hinweg. Kai Havertz traf doppelt, Deniz Undav schnürte einen Doppelpack an Vorlagen – doch das sollte der Höhepunkt bleiben.

Gegen die Elfenbeinküste zitterte das DFB-Team sich zu einem 2:1, erst die Einwechslungen von Undav und Nadiem Amiri drehten die Partie. Das 1:2 gegen Ecuador trotz früher Führung war bereits ein Weckruf. Im Sechzehntelfinale gegen Paraguay brach dann alles zusammen: 1:1 nach regulärer Spielzeit, 3:4 im Elfmeterschießen. Erstmals in der WM-Geschichte verlor Deutschland ein Penalty-Duell.

Die Taktik von Julian Nagelsmann, bis dahin als Erneuerer gefeiert, entpuppte sich als zu komplex für den Turnierbetrieb. Die Mannschaft wirkte überfrachtet, die Rotationen verwirrend. Was als Titelanlauf gedacht war, endete als frühestes deutsches Ausscheiden seit 1938.

Das finale: spanien gegen argentinien – und ein schlag ins gesicht

Das finale: spanien gegen argentinien – und ein schlag ins gesicht

Die Entscheidung fällt am 19. Juli in New York. Spanien, die Überraschungsmannschaft des Turniers, trifft auf Titelverteidiger Argentinien. Doch das Endspiel steht bereits im Schatten einer unrühmlichen Szene.

Leandro Paredes, 32, verlor im Halbfinale gegen Spanien die Nerven. Nach dem Schlusspfiff riss er den jungen Gavi zu Boden – ein Akt purer Frustration, der eine lange Sperre nach sich ziehen dürfte. Schon während des Spiels hatte der Argentinier mit seiner unkontrollierten Spielweise den Platzverweis provoziert. Schlechter Verlierer nennt man das im Fachjargon.

Der neue modus: mehr spiele, mehr chaos

Der neue modus: mehr spiele, mehr chaos

Die Erweiterung auf 48 Teams hat das Turniergeschehen verändert. Zwölf Gruppen à vier Mannschaften, die ersten beiden qualifiziert sich direkt. Neu dazugekommen: die acht besten Gruppendritten rücken nach. Das Sechzehntelfinale, bislang unbekannt im WM-Format, sorgt für zusätzliche Belastung.

Für die Teams bedeutet das mehr Reisestress, kürzere Regeneration, höhere Verletzungsgefahr. Die Gruppendritten aus A, B und C müssen zwei Tage bangen, ob ihre Punktausbeute für den Weiterkommen reicht. Fair-Play-Wertungen entscheiden bei Gleichstand – ein Kriterium, das in der Hitze des Gefechts selten gezählt wird.

Die stadien: 16 schauplätze, elf davon in den usa

Die stadien: 16 schauplätze, elf davon in den usa

Das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt, 1986 Schauplatz des Maradona-Finales, bleibt das größte mit 83.000 Zuschauern. Doch die moderne Infrastruktur konzentriert sich nördlich der Grenze. Das Dallas-Stadion in Arlington fasst 94.000 Menschen, das New-York-New-Jersey-Stadion 82.500.

Die Zeitverschiebungen werden europäische Fans strapazieren. Spiele in Los Angeles, San Francisco oder Seattle beginnen mitten in der deutschen Nacht. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF übertragen 60 der 104 Partien, der Rest läuft bei MagentaTV – ein verteiltes Fernseherlebnis, das die Reichweite des Turniers fragmentiert.

Die versteckte bedrohung

Die versteckte bedrohung

Gianni Infantino, der FIFA-Präsident, feiert das Mega-Turnier als globale Inklusion. Kritiker sehen darin die Kommerzialisierung des Sports, die Qualitätsdegradierung durch zu viele Teilnehmer, die Erschöpfung der Spieler. Die 104 Spiele in 39 Tagen bedeuten für die Finalisten bis zu acht Einsätze – ein Pensum, das die Saisonvorbereitung der europäischen Topklubs durcheinanderwirbelt.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Größe nicht gleich Größe bedeutet. Die WM 2026 wird in die Statistikbücher eingehen als das umfangreichste Turnier aller Zeiten. Ob sie auch in die Erinnerung der Fans rückt, hängt von den Geschichten ab, die sich auf den 16 Rasenflächen Nordamerikas schreiben. Die ersten Kapitel sind bereits geschrieben. Deutschland fehlt darin.