Wimbledon-skandal: spieler horten handtücher – federer als vorreiter?
Wimbledon, das Heiligtum des Rasentennis, wird von einer überraschenden Beutejagd heimgesucht: Nicht nach dem Titel, sondern nach den begehrten weißen Handtüchern der Championships suchen die Spieler. Ein Phänomen, das seit Jahren bekannt ist, hat nun bizarre Ausmaße angenommen und die Verantwortlichen des All England Clubs vor eine heikle Situation stellt.
Die handtuch-sammelleidenschaft: eine wimbledon-tradition?
Es ist ein offenes Geheimnis: Die weißen Wimbledon-Handtücher sind mehr als nur ein nützliches Accessoire auf dem Platz. Sie sind begehrte Souvenirs, Statussymbole und perfekte Geschenke für Familie und Freunde. Die Nachfrage ist so groß, dass die Spieler regelmäßig versuchen, so viele wie möglich in ihre Taschen zu vergraben. Einmal mehr als ein Geschenk, ein Zeichen des Erfolgs und der Zugehörigkeit zu dieser exklusiven Welt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wimbledon verfügt über rund 7.000 Handtücher aus Baumwolle, doch von den 3.789, die in den ersten sechs Tagen des Turniers verteilt wurden, kehrten lediglich 1.044 zurück. Das entspricht einem täglichen Verlust von rund 457 Handtüchern – ein astronomischer Wert, der die Veranstalter zunehmend beunruhigt.
Roger Federer, der unangefochtene König des Rasens, gilt als einer der größten „Handtuch-Sammler“ überhaupt. Angeblich bewahrt er eine beträchtliche Sammlung auf, die er gerne als Geschenk verteilt. Auch Novak Djokovic bekannte sich bereits zu seiner Vorliebe für die Wimbledon-Handtücher und gestand, sogar zu übertreiben, um die zahlreichen Anfragen aus Serbien zu erfüllen.
Der junge Italiener Flavio Cobolli sorgte kürzlich für Aufsehen, als er nach seinem Sieg im zweiten Runde mit einer prall gefüllten Tasche voller Handtücher gesehen wurde. Auf die Frage, ob er sie verschenken wolle, antwortete er schmunzelnd: „Es gibt viele italienische Fans, aber diese sind für mein Team.“
Selbst Iga Swiatek hat sich einen Ruf als „Handtuch-Diebin“ erworben. Die Polin gestand, ständig Geschenkanfragen von Freunden und Familie zu erhalten und versprach, einen Teil ihrer Sammlung für wohltätige Zwecke zu spenden – nachdem sie die Geschichte viral gegangen war.
Sally Bolton, die Geschäftsführerin des All England Clubs, nimmt die Situation mit Humor: „Wir freuen uns, dass unser Handtuch so begehrt ist. Das zeigen auch die Verkaufszahlen im offiziellen Shop.“ Und tatsächlich, das Wimbledon-Handtuch ist eines der beliebtesten Souvenirs des Turniers.
Die Zeiten, in denen der All England Club noch höflich darum bat, die Handtücher zurückzugeben, sind längst vorbei. Die Spieler haben das Handtuch zum Symbol ihres Erfolgs erkoren und die Veranstalter scheinen sich damit abgefunden zu haben – zumindest vorerst. Aber eines ist sicher: Die Wimbledon-Handtücher bleiben ein begehrtes und umstrittenes Thema in der Welt des Tennis.

Ein zeichen der zeit oder ein missbrauch?
Die Handtuch-Sammlung der Spieler wirft die Frage auf, ob die Gier nach Souvenirs und Statussymbolen die sportliche Integrität des Turniers beeinträchtigt. Während die Veranstalter die Situation mit Humor nehmen, bleibt die Frage offen, ob es notwendig ist, Maßnahmen zu ergreifen, um den Missbrauch einzudämmen und die Ressourcen zu schonen. Denn eines ist klar: Die Wimbledon-Handtücher sind mehr als nur ein Stück Stoff – sie sind ein Symbol für eine Ära und ein Spiegelbild der Tenniswelt.
