Wierer packt aus: „im hamsterrad verloren – olympia war mein freikauf“

Dorothea Wierer lässt die Maske fallen. Im Podcast „Extrarunde“ plaudert die 36-jährige Südtirolerin über jene Phase, in der sie morgens nur noch aus Pflichtgefühl aufstand. „Ich lag auf dem Sofa und dachte: Ich schaffe das nicht. Keine Energie. Kein Funke.“ Drei Monate später gewinnt sie in Östersund den Einzel – ihren 17. Weltcupsieg. Ein Abschied, der sich wie ein Thriller liest.

Der plan stand fest: nach mailand-cortina schluss – auch für 35.000 euro

Die Entscheidung war gegossen, bevor die Saison begann. Keine Kristallkugel-Jagd, keine Extrarennen in Kontiolahti, Otepää oder Oslo. „Die kleine Kugel war greifbar, aber ich hatte keine Lust mehr auf Prämienjagd“, sagt Wierer. Statt 35.000 Euro nahm sie sich Urlaub. „Ehrlich gesagt bin ich zufrieden mit dem, was ich verdiene.“ Ein Satz, der in einer Branche, wo jede Startgebühr und jeder Sponsorflyer zählt, wie eine Provokation klingt.

Die Olympischen Spiele in ihrer Heimat waren stattdessen ihr persönliches Mekka. Silber mit der Mixed-Staffel, zwei fünfte Plätze – keine Gold-Plakette, aber das Gefühl, endlich rauszukommen. „Man war in einem Hamsterrad“, sagt sie. „Training, Reisen, Medientermine – immer weiter, bis die Jahre wie Monate verflogen.“

Franziska preuß und der letzte kreis – gemeinsam statt einsam

Franziska preuß und der letzte kreis – gemeinsam statt einsam

Wierer bestreitet, dass Nostalgie sie überkam. Doch als sie in Antholz mit Franziska Preuß gemeinsam die Ehrenrunde drehte, brach bei vielen Zuschauern ein Kloß im Hals. „So viele Techniker aus anderen Nationen haben uns angefeuert. Das war mehr wert als jede Medaille“, sagt sie. Die beiden hatten sich in den vergangenen Jahren zur Abgangs-Gang hochstilisiert. Jetzt sind sie Ex-Sportlerinnen, die sich gegenseitig freigekauft haben.

Was bleibt? 17 Weltcupsiege, drei Einzel-Weltmeistertitel, zwei Mal Gesamtweltcup. Und ein Satz, der klingt, als würde sie die nächste Generation warnen: „Wenn ich 2024 aufgehört hätte, wäre Biathlon nur noch ein Job gewesen.“ Stattdessen ist es jetzt wieder ihre Sportart. Und die ruft sie nie mehr zurück.