Wierer: das hamsterrad der karriere beendet – ein emotionaler abschied

Dorothea Wierer, eine der prägendsten Figuren des Biathlons, hat ihre Karriere nach den Olympischen Spielen in ihrer Heimat beendet. Nach einem überraschend starken letzten Jahr stand der Italienerin der abschied kurz vor der Saison vor Augen – eine Entscheidung, die sie nun im Rückblick als richtig erachtet.

Die last der erwartungen und der unerwartete erfolg

Die 36-Jährige blickte im Podcast „Extrarunde“ auf eine Karriere zurück, die von außergewöhnlichem Erfolg, aber auch von immensem Druck geprägt war. Drei Weltmeistertitel im Einzel, 17 Weltcup-Siege und zweimal der Gesamtweltcup – Wierer hat nahezu alles gewonnen, was der Biathlonsport zu bieten hat. Doch die Erfolge brachten auch eine enorme Belastung mit sich, die sie schon früh mit dem Gedanken an einen Rücktritt konfrontierte.

“Im Nachhinein bin ich froh, dass ich trotzdem weitergemacht habe und einen so schönen Abschluss hatte”, gestand Wierer. “Wenn ich 2024 aufgehört hätte, dann hätte ich nicht mit einem so guten Gefühl aufgehört. Vielleicht hätte mir der Biathlon nicht mehr so gut gefallen, wie er mir jetzt immer noch gefällt.” Es war ein Jahr voller Überraschungen, in dem sie sich trotz anfänglicher Zweifel wieder in Topform brachte. Der Sieg im Einzel in Östersund zum Saisonstart war dabei ein Beweis für ihren unbändigen Willen.

“Ich lag auf dem Sofa und dachte, ich schaffe das nicht, ich habe keine Energie mehr. Und dann ging es trotzdem irgendwie, manchmal überrascht man sich selbst”, beschrieb Wierer ihre Gefühlslage vor dem Saisonstart. Die letzten Jahre waren für sie ein unaufhörlicher Kreislauf aus Terminen und Training, in dem kaum Zeit blieb, innezuhalten und die Erfolge zu genießen. “Man war in einem Hamsterrad und es ging immer weiter.”

Olympia als krönender abschluss – und die entscheidung für die familie

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Wierer hielt an ihrem Plan fest, nach den Olympischen Spielen ihre Karriere zu beenden, obwohl sie durchaus noch realistische Chancen auf die kleine Kristallkugel im Einzel gehabt hätte. Die Rennen in Kontiolahti, Otepää oder Oslo blieben unbeachtet, ebenso wie die Möglichkeit, sich mit einem zusätzlichen Preis von 35.000 Euro zu belohnen. “Ehrlich gesagt bin ich zufrieden mit dem, was ich verdiene”, erklärte sie.

Die Olympischen Spiele im eigenen Land wurden für sie zu einem perfekten Abschluss. Sie gewann Silber mit der Mixed-Staffel und zeigte mit den fünften Plätzen im Einzel und im Massenstart eine starke Leistung. Doch letztlich waren es die Momente mit den Fans und die Möglichkeit, sich gemeinsam mit Franziska Preuß zu verabschieden, die für Wierer am wichtigsten waren. “Das war so cool. Ich denke gar nicht an die Resultate und Medaillen, sondern mehr an die Momente mit den Fans. So viele Techniker von anderen Nationen haben mich angefeuert, so etwas war viel mehr wert als ein Ergebnis.”

Dorothea Wierer verlässt den Biathlonsport als eine Legende, hinterlassend eine beeindruckende Erfolgsbilanz und unzählige unvergessliche Momente. Ihre Entscheidung, die Familie und das eigene Wohlbefinden über weitere sportliche Erfolge zu stellen, zeigt einen starken Charakter und einen klaren Blick für das Wesentliche. Mit ihrem Rücktritt schließt sich ein Kapitel in der Geschichte des Biathlons – ein Kapitel, das von Leidenschaft, Disziplin und unbändigem Willen geprägt war.