Wiegert lässt barça links liegen – hannover ist der heimliche endspiel

Ein Sieg gegen FC Barcelona würde den SC Magdeburg zum Gruppensieger in der Champions League machen – doch Trainer Bennet Wiegert schaut schon weiter. Seine Spieler feiert er für die Show, seinen Kalender bestimmt ein anderes Datum: Sonntag, 15 Uhr, gegen TSV Hannover-Burgdorf. „Die Bundesliga ist unser täglich Brot“, sagt er knapp. Die Botschaft: Barça ist schön, aber Brot schmeckt besser.

Warum hannover mehr zählt als der triple-sieger

Die Rechnung des 44-Jährigen ist klar. Ein Sieg gegen die Katalanen bringt nur Ranking-Punkte und Applaus. Drei Tage später folgt die Partie, die über Heimrecht im Play-off und die Meisterschale entscheidet. „Hannover ist von Wertigkeit höher gerankt als Barcelona“, sagt Wiegert – und meint: Wer in der Liga verliert, fliegt früher aus internationalen Träumen, als er Taktik sagen kann.

Die Zahlen sprechen für ihn. Magdeburg hat in der Bundesliga nur zwei Punkte Vorsprung auf Platz vier – der letzten Position, die noch Heimvorteil im Viertelfinale garantiert. Verliert der SCM gegen Hannover, rutscht er auf Rang sechs. Die Konkurrenz aus Kiel, Berlin und Stuttgart atmet schon auf.

Dennoch will er gegen Barça nichts herschenken. „Wir sind gewillt, Spiele zu gewinnen“, betont er. Die Fans sollen ihren europäischen Abend bekommen. Aber: Nach dem 48-Stunden-Doppel in Plock und Kassel schickte er die Mannschaft für zwei Tage nach Hause – Partner, Kinder, Sofa. Mental-Akku statt Taktik-Board.

Der plan: erst prestige, dann pulver trocken halten

Der plan: erst prestige, dann pulver trocken halten

Intern lautet die Devise: 70 Prozent Intensität gegen Barcelona, 100 Prozent gegen Hannover. Kreisläufer Gísli Þorgeir Kristjánsson wird gegen die Gäste aus Spanien wohl von Anfang an spielen, damit Philipp Weber und Michael Damgaard sich schonen. Torwart Daniel Pettersson soll in beiden Partien die 7-Meter-Quote stabilisieren – seine 36 % sind beste Liga-Bilanz.

Für die European League ist der Gruppensieg bereits sicher, doch die Sechzehntel-Final-Auslosung verspricht ein anderes Kaliber. Wer als Erster kommt, trifft auf einen Gruppenzweiten ohne Heimrecht – ein kleiner Vorteil, der sich im Mai in Köln auszahlen könnte. Wiegert aber bleibt nüchtern: „Erstmal durch die Woche kommen, ohne dass sich jemand erkältet.“

Am Sonntag wird die GETEC Arena wieder ausverkauft sein – 6.700 Fans, weiße Wand, Trommelwirbel. Hannover hat zuletzt dreimal in Magdeburg gewonnen. Die Statistik? Schmeckt nach Brot, das noch knusprig werden will. Wiegert lacht nicht, wenn er sagt: „Barcelona ist das Dessert. Aber ohne Hauptgang wird man hungrig.“