Wiegert auf meisterschaftskurs: „meine ansprüche sind gewachsen – das erschreckt mich!“,
- Die last der erwartungen: wiegerts ehrlicher blick auf den eigenen anspruch
- Doppelfunktion und burnout-gefahr: kretzschmars warnung
- Die familie steht im mittelpunkt: urlaub? „es gibt keinen klassischen urlaub“
- Bundestrainer-job: „momentan kann ich es mir nicht vorstellen“
- Authentizität und ehrlichkeit: wiegerts leitprinzipien
Magdeburg steht vor dem historischen Triumph: Am Donnerstag winkt Bennet Wiegert mit dem SC Magdeburg die vierte Deutsche Meisterschaft in Serie. Doch der Erfolg hat seinen Preis – und der Trainer spricht offen über die steigenden Erwartungen, den Bundestrainer-Job und seine ganz persönliche Balance zwischen Sport und Familie.
Die last der erwartungen: wiegerts ehrlicher blick auf den eigenen anspruch
Vier Matchbälle für die Meisterschaft, das Final4 in der Champions League und der Pokal – die Saison des SC Magdeburg ist schlichtweg herausragend. Doch Bennet Wiegert, der Mann hinter diesem Erfolg, zeigt sich dennoch nicht vollkommen zufrieden. „Die Freude ist nicht mehr so groß wie beim ersten Mal“, gesteht er im SPORTBILD-Interview. „Das hat mich selbst erschrocken.“ Die eigenen Ansprüche sind gewachsen, und das ist eine Herausforderung, die der Trainer nicht unterschätzt. Er vergleicht die Situation mit dem Stabhochsprung oder dem 100-Meter-Sprint: „Wo soll das hinführen?“

Doppelfunktion und burnout-gefahr: kretzschmars warnung
Stefan Kretzschmar warnt: Wiegerts Doppelfunktion als Trainer und Sport-Geschäftsführer könnte ihn in zwei Jahren ausbrennen lassen. Der Coach nimmt die Kritik ernst. „Ich merke, was ich jeden Tag investiere und wie bestimmte Sachen zu kurz kommen“, gibt er zu. Die Balance zwischen Beruf und Privatleben ist eine ständige Gratwanderung, die nur durch die Unterstützung seiner Frau zu bewältigen ist. „Ohne sie würde nichts funktionieren“, betont Wiegert.

Die familie steht im mittelpunkt: urlaub? „es gibt keinen klassischen urlaub“
Ein klassischer Urlaub kommt für Bennet Wiegert nicht in Frage. Auch im Urlaub denkt er an den Handball und führt Telefonate. Ein großes Dankeschön geht an seine Familie, die diesen intensiven Lebensstil seit Jahren mitträgt. „Ich hoffe, dass ich das irgendwann zurückgeben kann“, sagt er. „Dass ich dann mehr da bin, als ich es jetzt bin.“

Bundestrainer-job: „momentan kann ich es mir nicht vorstellen“
Die Frage nach dem Bundestrainer-Job wird immer wieder gestellt. Wiegert gibt ehrlich zu, dass der Gedanke irgendwann einmal auf seiner „Bucketlist“ war. Doch im Moment kann er sich die Aufgabe nicht vorstellen. „Ich bin in Magdeburg so gefestigt und möchte bei so vielem noch dabei sein“, erklärt er. Seine besondere Beziehung zu Alfred Gislason und der Wunsch nach dessen maximalem Erfolg bei der Heim-WM im nächsten Jahr stehen im Vordergrund.
Authentizität und ehrlichkeit: wiegerts leitprinzipien
Wofür möchte Bennet Wiegert stehen? Für Authentizität, Ehrlichkeit und Transparenz. „Das gelingt mir leider nicht immer“, räumt er ein. „Aber der gute Wille muss erkennbar sein.“ Sein Vorbild? Vincent Kompany, der mit den Bayern so ruhig und erfolgreich durch die Saison bringt. „Wie er einen solchen Big Player so ruhig durch die Saison bringt und die Mannschaft abholt, ist stark“, schwärmt Wiegert.
Matthias Sammer, ein großer Handball-Fan und offenbar Anhänger von Magdeburg, ist einer der bekanntesten Kontakte in Wiegerts Handy. Ein Kompliment, das der Trainer sehr schätzt. Denn Wiegert will als Bennet Wiegert gesehen werden, nicht als „Jürgen Klopp des Handballs“.
