Werder bremen zerreißt sich selbst: jahns vor dem aus, fritz in der warteschleife

Die Bremer sind wieder da, wo sie am besten sind: im freien Fall. Nach dem 0:2 in Mainz ist der kurze Hoffnungsschimmer gegen Heidenheim und Union nur noch ein schlechter Witz. Daniel Thioune spricht von „Resistenz“, die sein Team brauche – gemeint ist: Sie sollen endlich aufhören, sich selbst zu sabotieren.

Thioune dreht an der schraube – die spieler spüren den druck

Der Trainer hat sich in den vergangenen Wochen neu erfunden: weniger Rücksicht, mehr Alleingänge. Die Kabine bekommt das zu spüren. Nach Mainz ließ er kein Blatt vor den Mund: „Wir haben wieder alles umgeschmissen.“ Kein Suchen nach Ausreden, kein Beschönigen. Der 51-Jährige stellt seine Profis öffentlich bloss. Ob sie das als Weckruf oder Verrat interpretieren, entscheidet sich am Samstag in Wolfsburg.

Die Zahlen sind gnadenlos: 14 Gegentore in den letzten fünf Pflichtspielen, nur drei Siege seit Jahreswechsel. Werder steht auf Relegationsplatz, der Abstieg ist kein Szenario mehr, er ist Plan B.

Johannes jahns wird zum sündenbock – doch fritz schaut noch in den löffel

Johannes jahns wird zum sündenbock – doch fritz schaut noch in den löffel

Während die Mannschaft auf dem Rasen strauchelt, zerlegt sich der Klub in der Büroetage. Johannes Jahns, Head of Recruiting, soll laut Bild zum Saisonende gehen. Die Liste seiner Missgeschicke liest sich wie ein Horror-Katalog: Naby Keïta, teuer, verletzt, nutzlos; Victor Boniface, verkauft, bevor er wirkte; die Leihspieler-Causa um Leonardo Bittencourt und Co., peinlich, weil unkoordiniert.

Doch Jahns ist nur ein Teil des Problems. Clemens Fritz, Sportchef und Gesicht der Krise, sitzt noch im Amt. Signal, dass er auch 2024/25 planen darf? Gibt es nicht. Intern heisst es, man wolle die Klassifikation abwarten. Werder-Boss Marco Bode und Aufsichtsratschef Hubertus Hess-Grunewald schweigen. Ihr Stillhalt ist Programm: Keiner will den ersten Schnellschuss verantworten, alle wissen, dass der zweite folgt.

Die Erinnerung an 2021 ist lebendig: Abstieg, Beibehaltung von Frank Baumann und Fritz – diesmal rechnet niemand mit Wiederholung. Die Leitung weiss: Wenn der Klub erneut strauchelt, werden Köpfe rollen. Nur eben nicht sofort.

Für Thioune tickt indes schon die Uhr. Seine Spieler haben ihm gegen Mainz den Glauben an die eigene DNA ausgeknipst. Nun verlangt er „Resistenz“ – eine hübsche Umschreibung für Abstiegskampf auf Biegen und Brechen. Wolfsburg wird zeigen, ob das Team sich auf seine Kritik einlässt oder den Coach allein lässt. Der Trainer plant mit Einsicht, der Klub mit personellen Konsequenzen. Am Osterdeich ist gerade wieder einmal alles offen – nur die Liga nicht.