Wembanyama bricht über thrombose zusammen: „ich sah mein leben als vorbei“
Victor Wembanyama sitzt in der Kabine der San Antonio Spurs, schwitzt nicht mehr vor Anstrengung, sondern vor Erinnerung. „Als mir die Ärzte die tiefe Venenthrombose bestätigten, bin ich zusammengebrochen“, sagt der 22-Jährige im Interview mit dem Magazin „Love“. Die Sätze klingen, als würde er sie noch einmal schlucken. Die Saison 2024/25 war sofort beendet, sein rechter Arm versagte beim All-Star-Game aufgrund eines nur noch fünfprozentigen Blutflusses. Die Karriere des größten europäischen Nachwuchstals der NBA stand auf der Kippe – und mit ihr seine Lunge.
Von 38 punkten zu 5 prozent durchblutung
Die Symptome hatten Wochen zuvor begonnen. Beim Sprungwurf fehlte die letzte Explosion, beim Rebound ein Zentimeter Sprungkraft. „Ich dachte, ich sei einfach müde“, sagt er. Der Körper log. Nach der Diagnose folgte das typische Protokoll für Athleten mit Gerinnungsrisiko: Antikoagulanzien, tägliche Ultraschallkontrollen, Flugverbot, Saisonende. Für einen Spieler, der mit 2,26 Metern jeden Meter zählt, war das Unsichtbare plötzlich das Größte.
Die NBA schickte ein eigenes Coagulation-Team nach Texas. Die Spurs stellten einen Biomechanik-Spezialisten ein, der die Belastung seiner Wade analysierte, als handle es sich um ein Flugzeugtriebwerk. „Ich fühlte mich wie ein Rennwagen, dem man die Zündkerzen zieht“, sagt Wembanyama. Die Angst vor einer Lungenembolie schwebte über jedem Training. Er durfte wochenlang nicht fliegen, nicht heben, nicht sprinten. Stattdessen schaute er Playoffs im Fernsehen und trank Apfelsaft mit Vitamin-K-Blockern.

Comeback mit 38 punkten – und einem neuen blick
Am 3. Februar war die Sperre aufgehoben. Beim 121:106 gegen Detroit Pistons schrieb er 38 Punkte, 16 Rebounds, 5 Blocks – Zahlen, die in San Antonio schon seit Tim Duncan niemand mehr produzierte. Doch die Statistik interessiert ihn kaum. „Ich zähle jetzt jeden Sprung, weil ich weiß, wie schnell alles vorbei sein kann“, sagt er. Zwischen den Vierteln misst er den Blutdruck, nach dem Spiel den INR-Wert. Die medizinische Mappe neben seiner Tasche ist dicker als der Spielplan.
Die Liga beobachtet ihn wie ein Testlabor. Kein Spieler mit aktiver Thrombose spielte jemals 34 Minuten am Stück. Die Spurs haben ein Mikro-Sensor-Konzept entwickelt: Ein Pflaster misst Sauerstoffsättigung und Temperatur, sendet Daten an das Medical Board. „Wir wissen nicht, wie lange seine Venenwand das aushält“, sagt ein interner Arzt, der anonym bleiben will. „Aber wir wissen, dass Victor bereit ist, das Risiko zu studieren wie ein Gegner auf Video.“
Die Franzosen erwarten ihn im Sommer für Olympia. Das Nationale Institut für Sportmedizin in Paris wartet bereits auf seine Blutwerte. Wembanyama lacht, wenn er gefragt wird, ob er Angst habe. „Angst ist, wenn man nicht mehr spielen darf. Ich darf wieder spielen. Der Rest ist ein kleiner Stent und viel Glück.“ Er zieht das Trikot hoch, zeigt eine winzige Narbe an der Rippe – „mein neues Tattoo“, nennt er es. Kein Kreuz, kein Spruch, nur eine Erinnerung, dass selbst ein Riese ein paar Millimeter davon entfernt war, nie wieder durch die Zone zu laufen.
