Weltmeisterschaft in mexiko: sexarbeiter demonstrieren gegen bauarbeiten

Mexiko-Stadt – Proteste überschlagen sich im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft: Dutzende Sexarbeiter haben am Dienstag in Mexiko-Stadt demonstriert und schwere Folgen durch Bauarbeiten für das Turnier beklagt. Ihre Forderungen: Arbeit, angemessene Wohnverhältnisse, Gesundheitsversorgung und Mitsprache bei städtischen Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Großereignis.

Verlust der lebensgrundlage durch stadterweiterung

Die Demonstration, die im Rahmen des Internationalen Tages der Sexarbeit stattfand, zog sich vom Ángel de la Independencia bis zum Palacio de Bellas Artes durch das Stadtzentrum. Die Stimmung war angespannt, und die Demonstranten skandierten Parolen wie „Wenn es keine Lösung gibt, wird der Ball nicht rollen“ und „Wir wollen Wohnraum, die Weltmeisterschaft ist uns egal.“ Besonders betonen sie den massiven Verlust ihrer Einkünfte und die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen durch die Bauarbeiten auf der Calzada de Tlalpan, einem Gebiet, in dem viele von ihnen seit Jahrzehnten tätig sind.

Ana, eine der Organisatorinnen der Demonstration, betonte die rechtliche Grundlage ihrer Forderungen: „Die Baugesetze sehen vor, dass Großprojekte, die die lokale Bevölkerung betreffen, eine Schadensminderung und eine Entschädigung für Betroffene erfordern, wenn deren Einkommen beeinträchtigt wird.“ Die Situation ist dramatisch: Viele der Frauen leben nun in prekären Verhältnissen und sind von Obdachlosigkeit bedroht.

Kampf für rechte und schutz vor ausbeutung

Kampf für rechte und schutz vor ausbeutung

Die Organisationen der Sexarbeiter betonen, dass sie Teil einer lateinamerikanischen Bewegung sind, die sich für Menschenrechte, Gesundheitsversorgung und Schutz vor Gewalt einsetzt. Sie verwenden den Begriff „Sexarbeit“, um ihre Tätigkeit von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung abzugrenzen – eine Unterscheidung, die in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Uruguay, Kolumbien und Mexiko immer wichtiger wird. Ilse Victoria, eine weitere Aktivistin, verdeutlicht: „Wir sind besorgt über die Zunahme von Menschenhandel und Zwangsprostitution im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft. Als unabhängige Arbeitnehmerinnen kämpfen wir selbst gegen diese Missstände.“

Die Bauarbeiten für ein neues Parksystem und eine Radbahn auf der Calzada de Tlalpan haben dazu geführt, dass ihre Einkünfte um bis zu 90 Prozent gesunken sind. Mit einer Investition von fast 2.000 Millionen Pesos (etwa 111 Millionen US-Dollar) wird die Calzada de Tlalpan für das Eröffnungsspiel am 11. Juni in ein wichtiges Verkehrszentrum umgewandelt.

Solidarität mit anderen sozialen bewegungen

Solidarität mit anderen sozialen bewegungen

Die Demonstranten verbanden ihre Forderungen mit anderen sozialen Kämpfen und riefen die LGBTQI+-Community zur Unterstützung auf, da der Juni gleichzeitig der Pride Month ist. Darüber hinaus kündigten sie an, sich den Protesten der Lehrer der Coordinadora Nacional de Trabajadores de la Educación (CNTE) anzuschließen, die ebenfalls ihre Forderungen durchsetzen wollen. „Wenn es keine Lösung gibt, werden wir uns den Lehrern anschließen – der Kampf der Sexarbeiter ist untrennbar mit dem der Lehrer verbunden“, erklärte Ilse Victoria.

In Mexiko ist Sexarbeit unter Erwachsenen zwar nicht generell illegal, die Regulierung variiert jedoch von Bundesstaat zu Bundesstaat. In Mexiko-Stadt haben Organisationen des Sektors zwar rechtliche Fortschritte erzielt, doch sehen viele die mit der Weltmeisterschaft verbundenen Bauarbeiten als Risiko für diese Errungenschaften an. Die Situation zeigt deutlich, dass die Vorbereitung auf ein Großereignis wie die Weltmeisterschaft nicht auf Kosten der Rechte und des Lebensunterhalts lokaler Gemeinschaften gehen darf.