Wellbrock schwimmt sich in wm-form und kassiert zweiten soma-bay-coup

Florian Wellbrock spült das Rote Meer mit Gold. 24 Stunden nach seinem Zehn-Kilometer-Sieg jagt der Magdeburger die deutsche 4×1500-m-Staffel zum Weltcup-Doppelsieg in Soma Bay – und fliegt direkt weiter, um sich für Paris zu qualifizieren.

Vom höhentraining zur doppel-krönung

Die Sierra Nevada liegt 2300 Meter über dem Meeresspiegel, doch die Höhenluft schien Wellbrock mitzuziehen. „Das Lager lief holprig“, sagt er, während er das nasse Haar zurückwischt, „aber offenbar hat’s gereicht.“ Als Anker der Staffel holte er auf der letzten 1,5-km-Runde 18 Sekunden auf die Führenden heran und schickte Boy, Märtens und Klement auf die oberste Stufe des Treppchens.

Der 28-Jährige blieb damit ungeschlagen im Weltcup-Jahr 2026, nachdem er 2025 alle vier WM-Disziplinen dominiert hatte. Der ägyptische Sonnenbrand auf der Schulter ist halb Trophäe, halb Warnung: Am 24. April wartet Ibiza, doch vorher steht Beckensport auf dem Plan. In zwei Wochen geht’s nach Stockholm, wo er sich für die EM in Paris (31. Juli–16. August) empfehlen will.

Die zahlen hinter dem doppelpack

Die zahlen hinter dem doppelpack

Wellbrocks Pace auf den letzten 1500 Metern: 15:32 Minuten – schneller als seine Gegner auf der Einzelstrecke. Die Staffelzeit von 1:06:41 Stunden bedeutet die zweitschnellste je geschwommene Zeit auf dieser Strecke, nur 37 Sekunden langsamer als der Weltrekord der Franzosen aus 2023. Für jeden der vier Athleten springt ein Prämiencheck von 5.000 Euro heraus – ein satter Saisonauftakt, der sich rechnet.

Doch der Olympiasieger von Tokio blickt bereits weiter: „Freiwasser ist mein Herz, aber Paris ist das Ziel.“ Gemeint ist der Kurzbahn-EM-Start über 800 und 1500 m, seine Paradestrecken im Becken. Dort will er sich gegen Lukas Märtens und Jacob Heidtmann durchsetzen, die ebenfalls Ticket-Ambitionen hegen.

Warum soma bay nur der auftakt ist

Warum soma bay nur der auftakt ist

Die deutsche Freiwasser-Crew reist mit breiter Brust, aber auch mit Hausaufgaben. Lea Boy zeigte sich nach 7,5 km durch, musste aber auf der letzten Runde Führungsarbeit übernehmen – ein Kraftakt, den sie beim nächsten Weltcup in Sardinien (12. Mai) wiederholen soll. Leonie Märtens steckt sich ein konkretes Ziel: „Ich will vor Ibiza nochmal fünf Sekunden auf 400 m drauflegen.“ Klemet, der als einziger der Vier noch ohne EM-Ticket ist, nutzte den Staffel-Coup als Bewerbungsbrief an Bundestrainer Bernd Berkhahn.

Wellbrock selbst bleibt das Ruhepol. Er flog direkt nach Deutschland zurück, um die nächste Höhenphase in Ruhpolding einzulegen. Drei Wochen später geht’s ans Mittelmeer – und dann? „Wenn ich in Paris starte, will ich nicht nur dabei sein, sondern gewinnen.“ Keine Warnung, keine Frage, nur eine Feststellung. Die Wellbrock-Ära ist längst nicht vorbei, sie schwimmt gerade erst ihre zweite Runde.