Watzke schimpft über experten-scharen und preist beckenbauer

Dortmund – BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke hat bei einer Talkrunde kein Problem, deutliche Worte zu finden. In „Ein runder Abend – mit Fußball & Freunde“ ließ er seine Unzufriedenheit über die wachsende Anzahl von TV-Experten und die zunehmend negative Grundstimmung im Fußball verlauten. Der Ton wird immer lauter, die Kritik immer schärfer – und das gefällt dem BVB-Boss überhaupt nicht.

Früher wurde auch eine vizemeisterschaft gefeiert

Watzke erinnerte sich an eine Zeit, in der selbst eine Vizemeisterschaft noch Anlass zur Freude gewesen sei. „Heute wird kaum noch etwas gewürdigt“, kritisierte er. Die Medienlandschaft habe sich verändert, die Diskussionen seien oft von einer „marktschreierischen“ Grundhaltung geprägt. Die schiere Anzahl an Experten, die sich zu jedem Spiel äußern, treffe ihn ebenfalls: „Da stehen so viele, die ihren Senf dazugeben, dass du wahnsinnig wirst. Ich mache den Ton einfach komplett aus, damit man sich auf das Spiel konzentrieren kann.“

Wm-chancen: deutschland nicht top-favorit

Wm-chancen: deutschland nicht top-favorit

Beim Thema Weltmeisterschaft wurde Watzke konkreter. Er betonte, dass die Vorrunde zwar nicht überbewertet werden dürfe, da 32 von 48 Teams weiterkommen, erwarte aber, dass die deutsche Mannschaft die Gruppe gewinnen müsse. Die Gegner Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador stellten dabei vor keinerlei leichte Aufgabe. „Du darfst Ecuador nicht unterschätzen“, warnte Watzke. „Curaçao ist neu dabei, das ist ein bisschen schwierig. Die Elfenbeinküste ist nicht komplett blind.“ Deutschland sei keineswegs der Top-Favorit, sondern zählte erst im weiteren Kreis zu den möglichen Siegern, hinter Spanien, Frankreich und Brasilien.

Eine besondere freundschaft: watzke und beckenbauer

Eine besondere freundschaft: watzke und beckenbauer

Besonders emotional wurde es, als das Thema Franz Beckenbauer zur Sprache kam. Reiner Calmund hielt eine bewegte Rede über den verstorbenen DFB-Legenden, in der er seine Verdienste für den deutschen Fußball hervorhob und die öffentliche Kritik an Beckenbauer scharf verurteilte. Watzke schilderte eine persönliche Anekdote: „Ich war nach der Meisterschaft mit dem BVB 2011 bei Sky. Vor der Sendung hat er dann zu mir gesagt: ‚Pass auf, du kannst mich jetzt duzen, denn du bist deutscher Meister geworden.‘“ Die beiden trafen sich in den folgenden Jahren regelmäßig in einem Berliner Hotel zum Zigarrenrauchen und philosophieren. „Franz war einer der großartigsten Menschen, die ich kennengelernt habe“, sagte Watzke mit Nachdruck.

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