Vor 25 jahren glaubte ganz gelsenkirchen an den titel – dann kam die 4-minute
19. Mai 2001, 17.04 Uhr: Schalke führt 5:3 gegen Unterhaching, im Volksparkstadion steht es 0:0. 60 000 im Parkstadon schreien sich heiser – Meister! 17.08 Uhr: Hamburg bekommt einen indirekten Freistoß, Patrik Andersson trifft. Das Kapitel „Meister der Herzen“ ist nach exakt 240 Sekunden wieder geschlossen.
Der jubel, der kein ende nehmen wollte
Bernd Schniedermeier war 16, saß zwischen Vater und Bruder, als das Stadion explodierte. „Die Tore auf, Rasen voller Menschen, ich lag zwischen wildfremden Leuten und wusste: Das ist unser Jahr“, erzählt der heute 41-Jährige. Die Bilder liefen auf der Leinwand, alle dachten an Wiederholung. Dann flog der Ball im Hamburger Strafraum, die Stille wurde lauter als der vorherige Lärm. „Erwachsene Männer brüllen, sich an den Schultern packend, als wäre die Welt untergegangen. Für vier Minuten war sie es auch.“
In der Kabine stand Olaf Thon, 35, Karriere-Ende, Arm in Arm mit den Jungs. „Plötzlich fliegt die Tür, jemand tritt sie aus purem Frust ein. Wir sind am Boden, aber nicht besiegt – nur leer“, sagt die Legende. Huub Stevens verschwindet später ins Schloss Wittringen, ein Glas Weißwein, Tränen, Stolz. „Ich hab die Jungs nie mehr so zusammengesehen wie an dem Abend.“

25 Jahre später zählt nicht der pokal, sondern die geschichte
Die WhatsApp-Gruppe „Meister der Herzen“ lebt. Jeden 19. Mai klingelt das Handy, Fotos von damals, Selfies vom heutigen Parkplatz. Schniedermeier: „Wir haben keine Trophäe, aber eine Erinnerung, die stärker ist als jede Silberware.“ Die 4-Minute ist zum Mythos geworden, zum Teil der DNA des Vereins. Sie erklärt, warum Schalke-Fans auch in der 2. Liga ausverkaufen, warum „Königsblau“ mehr ist als Farbe.
Am Samstag rollt vor dem Parkstadion ein LED-Truck auf, zeigt die 240 Sekunden in Endlosschleife. Dazu klingt „Blau weiß wie Schalke“ – und wieder glauben 60 000 für einen Herzschlag, dass das 5:3 reicht. Denn der 19. Mai 2001 lehrt: Sport ist das einzige Drama, das man liebt, obwohl man das Ende kennt. Die Bayern geben nie auf. Schalke gibt nie auf. Und deshalb feiern beide Seiten heute dieselbe Geschichte – nur aus entgegengesetzten Perspektiven.
