Von miss auvergne zur power-agentin: sonias fußball-coup

Sonia Souid hat das Fußballgeschäft auf ihre eigene, einzigartige Weise erobert – und das, obwohl sie eigentlich Ärztin werden wollte. Ihre Geschichte ist eine von Hindernissen, Vorurteilen und dem unerschütterlichen Glauben an sich selbst. Heute ist sie eine der gefragtesten Agentinnen im europäischen Fußball, eine Pionierin in einer von Männern dominierten Welt.

Ein leben voller wendungen – vom volleyballcourt zum pariser immobilienmarkt

Sonia Souid, geboren 1985 in Clermont-Ferrand, trägt den Fußball förmlich im Blut. Ihr Vater, ein erfahrener Fitnesscoach im arabischen Raum, prägte ihre Leidenschaft für den Sport. Doch ihr Weg dorthin war alles andere als geradlinig. Nach einer Karriere als Volleyballspielerin folgte ein kurzer, aber prägender Abstecher als Miss Auvergne 2003, gefolgt von Modeljobs und Tätigkeiten als Hotelrezeptionistin und Immobilienmaklerin in Paris. Ein Medizinstudium scheiterte knapp, der Wunsch nach der Matronenausbildung erfüllte sich ebenfalls nicht. „Ich bin froh, dass ich diesen Weg nicht eingeschlagen habe“, schmunzelt sie heute. „Nachdem ich selbst zwei Kinder zur Welt gebracht habe, bin ich mir noch sicherer, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“

Die ersten mauern – vorurteile und frustration

Die ersten mauern – vorurteile und frustration

Der Einstieg in die Welt des Fußballs gestaltete sich für Souid alles andere als einfach. „Es war hart“, erinnert sie sich. „Als Frau, die zuvor an Schönheitswettbewerben teilgenommen hatte, wurde ich oft unterschätzt und belächelt.“ Die ersten Meetings endeten frustrierend, viele Verantwortliche sahen in ihr lediglich die ehemalige Miss Auvergne. „Sie haben mich nicht ernst genommen, haben mich nicht für kompetent gehalten.“

Der durchbruch im orient – eine chance in der wüste

Der durchbruch im orient – eine chance in der wüste

Nach anderthalb Jahren erfolglosen Bemühens in Frankreich wagte Souid einen Schritt ins Unbekannte: Sie zog nach Abu Dhabi. „Ich verdiente zwar wenig, aber zumindest wurde mir dort eine Unterkunft bezahlt“, erzählt sie. „Und überraschenderweise wurde ich dort eher respektiert. Als einzige Frau in diesem Umfeld war ich sofort bekannt.“ Sie begann, für einen lokalen Verein zu arbeiten und baute sich nach und nach ein Netzwerk auf. Souid entwickelte sich zur Vermittlerin zwischen dem Golfraum, Europa und Amerika und handelte Transfergeschäfte, die bis heute für Stilleurts stehen.

Die unterstützung von aulas – ein schlüssel zum erfolg

Die unterstützung von aulas – ein schlüssel zum erfolg

Ein entscheidender Wendepunkt kam durch Jean-Michel Aulas, den ehemaligen Präsidenten von Olympique Lyon. Er war einer der wenigen, der in Souid’s Fähigkeiten Vertrauen hatte und ihr die Chance gab, den Transfer von Michel Bastos zum Al Ain zu vermitteln. „Als ich erkannte, dass der mächtigste Mann des französischen Fußballs mir vertraute, wusste ich, dass ich es schaffen konnte“, so Souid. Ihr Name begann, in der Branche zu klingen, und sie etablierte sich als Vermittlerin für Transfers zwischen den Kontinenten.

Pionierin des frauenfußballs – eine mission

Pionierin des frauenfußballs – eine mission

Souid erkannte früh das Potenzial des Frauenfußballs. „Im Jahr 2012 war der Frauenfußball noch sehr amateurhaft. Viele sagten mir, ich würde meine Zeit verschwenden“, erinnert sie sich. „Aber ich wollte beweisen, dass Frauen in dieser von Männern dominierten Welt genauso erfolgreich sein können.“ Sie begann, Spielerinnen zu vertreten und ihnen zu helfen, ihre Karriere voranzutreiben. Ihr erster Transfer mit echtem Geld im französischen Frauenfußball, der von Marie-Laure Delie vom Montpellier zum PSG, machte sie zu einer Schlüsselfigur in dieser Entwicklung.

Ein buch, eine kampfesgeschichte

Souid hat ihre Erfahrungen in einem autobiografischen Buch namens „Touche pas à mon QI“ festgehalten. Darin schildert sie die Herausforderungen, die sie als Frau im Fußball überwinden musste, und wie sie sich trotz aller Hindernisse durchsetzte. „Es war ein harter Kampf, aber ich bin stolz darauf, was ich erreicht habe“, sagt sie.

Heute führt sie gemeinsam mit Patrick Esteves die Agentur HEESSO Sports und unterstützt unter anderem Sergio Mestre. Mit Stolz blickt sie auf die Entwicklung des Frauenfußballs und ihre eigene Rolle darin. „Es ist noch ein weiter Weg, aber wir bewegen uns in die richtige Richtung.“