Von luino bis cittiglio: die 27. trofeo binda schickt 137 top-radsportlerinnen auf 150 km jagd durchs vareser hügelland

Um 12.45 Uhr donnert am Sonntag der Startschuss in Luino. 137 Fahrerinnen aus 23 Teams sprinten in die erste Anstiegsrampe, 150 Kilometer später entscheidet sich auf dem leichten Uphill-Sprint in Cittiglio, wer den 27. Trofeo Alfredo Binda für sich beansprucht. Die Startliste liest sich wie das Who-is-who des internationalen Frauenradsports.

Longo borghini, vos, niewiadoma – ein starterfeld der superlative

Elisa Longo Borghini trägt das italienische Nationaltrikot, sie gewann hier 2013 und 2021. In dieser Saison hat sie schon die UAE Tour und das Trofeo Oro in Euro geschaukelt. Ihre härteste Konkurrentin kommt aus den Niederlanden: Marianne Vos, vierfache Siegerin (2009, 2010, 2012, 2019), liebt die kurzen Steigungen rund um den Lago Maggiore. Dazu die Weltmeisterin Alison Jackson, Katarzyna Niewiadoma, Lotte Kopecky, Anna van der Breggen – alle sind sie da. Fehlt nur Elisa Balsamo, letztjährige Gewinnerin, die wegen einer Rippenprellung pausiert.

Die Strecke ist ein Schachbrett: 3.200 Höhenmeter, drei Runden über die Madonna del Ghisallo-Variante, ein finale 2,5-km-Anstieg mit Steigungen bis zu 7 %. „Wer hier nicht positioniert ist, verliert direkt zehn Meter“, sagt Sportdirektor Mario Minervino. Sein Verein Cycling Sport Promotion hat die Rennorganisation übernommen und das soziale Programm massiv ausgebaut.

Piccolo binda bringt 163 nachwuchshoffnungen auf die straße

Piccolo binda bringt 163 nachwuchshoffnungen auf die straße

Bevor die Elitefrauen die Kurven sprengen, um 9 Uhr rollt die Juniorinnen-Variante. 163 Fahrerinnen aus 29 Nationen, darunter komplette Nationalteams aus Spanien, Polen, Deutschland und Mexiko, absolvieren 70 Kilometer durch die Verbano-Täler. Für viele ist es der erste Kontakt mit dem europäischen Nachwuchszirkus, für Italiens Verbandstrainer ein Frühtest für die kommenden U19-Europameisterschaften.

Die Bedeutung des Rennens übertrifgt längst den sportlichen Rahmen. 250 Schulkinder haben in den vergangenen Wochen das Projekt „Pedala … in Sicurezza!“ abgeschlossen, ein Kurs für sicheres Verhalten im Straßenverkehr. Parallel lief der Kurzfilm „Vieni al Museo Binda!“, der die Geschichte des ersten Superstars des modernen Radsports erzählt – Alfredo Binda, 1902 in Cittiglio geboren, fünfmal Giro-Sieger, Namensgeber des Bewerbs.

Die Gemeinde Varese rechnet mit 20.000 Zuschauern entlang der Strecke. Lokale Wirte haben Sondermenüs zusammengestellt, die Polizei sperrt ab 8 Uhr die SS-394. Wer live dabei sein will, sollte sich auf landesüblichen Lärmpapier einstellen: Glocken, Tröten, Grillfeuer – der Trofeo Binda ist Fest, Volksfest und Radsport-Highspeed in einem. Die Prognose: Sonne, 17 Grad, leicht böiger Südwind. Perfekte Bedingungen für einen erneuten Showdown zwischen Longo Borghini und Vos. Die Uhr tickt. In 48 Stunden wissen wir, wer in die Fußstapfen von Alfredo Binda tritt.