Vogt verabschiedet sich mit 14 toren und einem versprechen

Alessandro Vogt hat genug vom Geheimnis. Nach Wochen des Tuschelns postet der 20-Jährige ein Foto, das ihn im Grün-Weiß zeigt, dazu drei Sätze – und löst eine Welle aus, die bis nach Hoffenheim rollt.

Der Stürmer, 14-mal schon in dieser Saison zur Stelle, bestätigt, was alle wissen: Für 2,5 Millionen Schweizer Franken wechselt er zur TSG Hoffenheim. Die Ablöse ist fix, das Timing perfekt. St. Gallen liegt in der Super League auf Platz zwei, im Cup wartet das Halbfinale in Yverdon. Vogt will beides. „Bis zur letzten Sekunde alles auf dem Platz lassen“, schreibt er. Kein Abschied, kein Rückwärtsgewandtes – eher ein Drohgebärde Richtung Gegner.

Die logik hinter der verkündung

Warum jetzt? Weil der FC St.Gallen die Meisterschaft nicht aus der Hand geben darf. Jeder Punkt gegen Thun ist Gold, jeder Treffer Vogts ein Schritt Richtung Titel. Die Vereinsbosse rechnen: Selbst wenn der Angreifer im Sommer geht, erhöht sich seine Marktwertkurve mit jedem weiteren Tor. Ein Halbfinaleinzug im Cup würde die Ablöse noch einmal nach oben treiben. Für Hoffenheim ist das Risiko überschaubar: Sie kaufen einen Spieler in Bestform, nicht einen, der sich versteckt.

Vogt selbst spielt seine Rolle perfekt. In den letzten fünf Partien traf er viermal, zweimal per Kopf, zweimal per Direktabnahme. Sein linker Fuß ist kein Geheimnis mehr, aber seine Bewegung vor dem Tor schon. Gegnerische Abwehrreihen stellen sich auf seine Schnittstellen ein – und laufen trotzdem hinterher. Die Statistik: 14 Tore bei 19 Expected Goals, eine Quote, die selbst erfahrene Keeper nervös macht.

Was st. gallen jetzt riskiert

Was st. gallen jetzt riskiert

Die Gefahr: Die Mannschaft könnte sich auf den Abgang einstellen, statt auf den Titel. Trainer Peter Zeidler dementiert, doch die Umkleidekabine ist kein Labor. Vogt ist beliebt, seine Laufbahn ein Tempolehrstück. Wenn er feiert, feiert die ganze Bank mit. Wenn er schweigt, schweigt das ganze Stadion. Das Kybunpark-Publikum wird ihn am Samstag gegen Luzern empfangen wie einen König, der abdankt – und dann doch noch einmal einzieht.

Die Konkurrenz schielt nach Norden. Thun spielt in Basel, ein Punkt reicht, um die Meisterschaft praktisch zu entscheiden. Doch der FC St.Gallen hat noch ein Ass: Vogt selbst. Er kann mit einem Dreierpack die Liga wieder offen machen. Die Wette: Je näher der Mai rückt, desto größer der Druck – und desto höher der Preis für den Youngster. Hoffenheim lacht, St. Gallen zittert, Vogt schießt. Die Saison ist nicht vorbei, sie beginnt erst richtig.