Vockensperger packt aus: olympia ist reiner psychoterror

Leon Vockensperger war diesmal nicht am Start, trotzdem war er glücklicher als jemals zuvor bei Winterspielen. Der Grund: Der Snowboarder durfte in Italien endlich atmen – weil er nicht startete. „Olympia ist der krasseste Psychoterror“, sagt er. Ein Satz, der die deutsche Sportwelt erschüttert.

Der druck frisst athleten auf

Vockensperger kennt beide Seiten. 2022 in Peking scheiterte er im Slopestyle und Big Air, versank in Kritik. „Man wird rund um die Uhr zerlegt, selbst beim Frühstück checkt man Kommentare, die einen runterziehen“, erzählt er im Gespräch mit Sport1. Die Folge: Er konnte die Spiele nicht genießen, nur überleben.

In diesem Jahr war er nur Markenbotschafter. Kein Wettkampf, kein Zittern. „Ich habe meine Kollegen angefeuert und zum ersten Mal gelacht“, so der 26-Jährige. Die Ironie: Je näher man der Action kommt, desto weniger darf man sie erleben.

Soziale medien werden zur schusswaffe

Soziale medien werden zur schusswaffe

Die Geschwindigkeit der Hasswelle ist neu. Früher kam Kritik per Zeitung, heute flattert sie sekündlich aufs Handy. Vockensperger zählt knapp 450.000 Follower auf Instagram und TikTok. „Einerseits brauchst du die Plattformen, andererseits machen sie dich angreifbar wie Glas“, sagt er. Seine Lösung: Während der Contests surft er offline, sein Team übernimmt.

Die Zahlen sprechen für sich: Deutsche Snowboarder haben seit 2014 keine olympische Medaille mehr geholt. Die Erwartungshaltung steigt, die Geduld sinkt. Vockensperger spürt das wie ein Messer im Rücken.

Rückkehr trotz albtraum

Rückkehr trotz albtraum

Doch der Rückzug war nur eine Pause. „Dabei sein hat meinen Ehrgeiz wieder geweckt“, gibt er zu. Das Ziel: Olympia 2030. Ein Neuanlauf, obwohl er genau weiß, dass er sich erneut in ein Munitionslager stürzt. Die Logik der Sportler: Sie riskieren mentale Brandblasungen, weil der eine perfekte Lauf das alles vergessen machen könnte.

Vockensperger hat kein Rezept gegen den Terror, nur einen Tipp: „Such dir Leute, die dein Handy halten, wenn du zitterst.“ Die Aussicht auf Medaillenglanz ist groß, die Rechnung für die Psyche auch. Er wird wieder aufstehen – und wir werden wieder zuschauen, klicken, kommentieren. Der Kreislauf beginnt von neuem.