Vlasic hinter den spitzen: de biasis torino-formel heizt den cl-traum an
Nikola Vlasic als „gefährlicher Drahtzieher“ – das sagt nicht ein Fanforum, sondern Gianni De Biasi, der erste Coach der Urbano Cairo-Ära. Seit dem 23. Februar dreht der Kroate unter Roberto D'Aversa auf, die Folge: acht Spiele, zwei Top-Siege gegen Lazio und Parma, und plötzlich schielt Turin auf Europa.
De biasis diagnose: die wende kam mit system
Der 68-Jährige beobachtet den Klub noch immer akribisch. „Das Team glaubt an die Idee des Trainers“, sagt er im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. Die Wende habe weniger mit Taktik-Geheimnissen zu tun, sondern mit einer klaren Rollenverteilung. Beispiel Vlasic: „Er wird nicht mehr nur links außen durchgeschickt, sondern zentral zwischen die beiden Neuner gestellt. Dadurch kann er mit seinem Antritt direkt die letzte Linie öffnen.“ Die Zahlen sprechen: Drei Tore, zwei Vorlagen in den jüngsten vier Partien – alle aus dem halben Raum.
Auch die Doppellatte vorne wirkt endlich eingespielt. Duván Zapata und Gianluca Simeone trafen in den letzten 360 Minuten fünfmal. „Das ist kein Zufall“, so De Biasi. „Wenn Vlasic zwischen ihnen auftaucht, ziehen die Gegner automatisch zwei Mann. Die Stürmer bekommen Luft.“

Drei hintere, zwei spitzen – oder doch ein raute-system?
Interessant: D'Aversa wechselt je Gegner zwischen 3-4-2-1 und 4-2-3-1. Gegen Ballbesitzstarke Gegner rückt Gineitis als einziger Sechser vor die Abwehr, Ilkhan und Prati rotieren als Achter. „Die Frage ist nicht, welches System die bessere ist, sondern welches Zapata und Simeone am meisten entfaltet“, erklärt der Ex-Coach. Seine Empfehlung: „Lasst Vlasic frei, dann passt sich der Rest von selbst.“
Ein Detail verrät viel: In den letzten vier Spielen führte Turin nach Ballgewinn im Mittelfeld durchschnittlich 5,2 Sekunden, bevor der erste Pass in den Strafraum flog – vorher waren es 8,1 Sekunden. Schnelle Verlagerung statt Dribbling, das ist D'Aversas neues Credo.

Clean sheets trotz gegentorschnitt – das psychische paradox
Ten-mal hielt das Tor zu, 36 Gegentreffer stehen in der Bilanz. De Biasi lacht: „Ein Zahnarzt würde sagen: Die Mundhygiene ist gut, aber die Zähne fallen trotzdem raus.“ Die Erklärung liefert der Blick auf die Spielverläufe: „Wenn das Ergebnis stimmt, steht die Kette sicher. Geht ein frühes Gegentor fällt, rutscht die komplette Abwehr auseinander – kein Kommunikation, nur noch Reaktion.“
Sein Tipp für die letzten acht Partien: „Schafft die Serie ohne Niederlage, und die Psyche arbeitet mit, nicht gegen euch.“ Denn der direkte Vergleich zu Atalanta (ein Punkt Vorsprung) und Bologna (drei Punkte Rückstand) zeigt: Das Mittelfeld ist dicht. Ein Sieg im direkten Duell am 19. Mai gegen die Rossoblu könnte den Europa-League-Platz entscheiden.

Casadei und co. – der letzte sprint beginnt im kopf
De Biasis Fazit klingt wie eine Kampfansage: „D'Aversa hat nun acht Spiele Zeit, sich ein Bild vom wahren Charakter seiner Spieler zu machen. Wer jetzt nicht liefert, fliegt im Sommer raus.“ Die Aussicht auf internationale Abende im Stadio Olimpico Grande Torino wirkt wie ein Turbo. Die Fans zählen die Tage bis zur nächsten Auswärtsfahrt – und Vlasic? Der trainiert bereits mit zusätzlichen Hanteln, um die Schlussphase nicht wie 2023 mit Muskelproblemen zu verpassen.
Ende Mai wissen wir, ob die Wende nur ein Strohfeuer war – oder der Startschuss für ein neues Torino-Zeitalter. Keine Frage, nur Feststellung: Der Kroate ist der Schlüssel, der Rest ist reine Kopfsache.
