Vitesse: vom abstiegskandidaten zum playoff-kandidaten – ein sportliches deja-vu?

Arnhem – Was für eine Achterbahnfahrt! Der Vitesse Arnheim, einst stolzer Pokalsieger, scheint sich an den Abgrund der Zweitklassigkeit gewöhnt zu haben. Nach einem katastrophalen Jahr, das mit dem Abstieg aus der Eredivisie sowie dem Abzug von 18 Punkten aufgrund von Lizenzverstößen und anschließend weiteren 27 Punkten, gipfelte, erlebt der Verein gerade eine bemerkenswerte Wiederauferstehung.

Finanzchaos und ein holpriger neustart

Die Geschichte des Vitesse ist in den letzten Monaten von finanziellen Turbulenzen und bürokratischen Hürden geprägt gewesen. Der KNVB, der niederländische Fußballverband, entzog dem Verein aufgrund anhaltender finanzieller Probleme sogar die Lizenz für die Zweite Bundesliga. Ein Schock für die Fans, der jedoch durch ein Urteil des Berufungsgerichts aufgehoben wurde, das die erneute Zulassung zum Spielbetrieb ermöglichte. Der Saisonstart war damit um einiges holpriger als geplant.

Doch was nun? Der Vitesse befindet sich in einer überraschenden Position: Trotz eines Punktekontos von 43 Zählern in 36 Spielen und einem Platz in der unteren Tabellenhälfte könnte der Verein tatsächlich eine Chance auf den Aufstieg in die Eredivisie haben. Eine kuriose Situation, die das komplexe System des niederländischen Fußballs erklärt.

Das playoff-system: ein lichtblick für den vitesse

Das playoff-system: ein lichtblick für den vitesse

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ligen gibt es in den Niederlanden ein ausgeklügeltes Playoff-System. Die beiden direkten Aufsteiger, ADO Den Haag und Cambuur, sind bereits sicher qualifiziert. Der eigentliche Knackpunkt liegt in den vier separaten Periodenwertungen, die parallel zur regulären Ligaauswertung stattfinden. Der Sieger jeder dieser Perioden sichert sich automatisch einen Platz in den Aufstiegspartien. Und hier könnte der Vitesse seine Chance nutzen.

Aktuell führt der Verein die vierte und entscheidende Wertung mit 16 Punkten an, punktgleich mit Willem II. Das bedeutet: Sollte der Vitesse auch die letzten beiden Spiele gewinnen, steht der Einzug in die Playoffs außer Frage.

Ein steiniger weg zum aufstieg

Ein steiniger weg zum aufstieg

Die Playoffs selbst sind in zwei Runden unterteilt. In der ersten Runde treffen die beiden bestplatzierten Teams der regulären Saison (die keine Filialmannschaften sind und sich noch nicht direkt qualifiziert haben) auf die vier Periodensieger. Sollte ein Periodensieger bereits aufgestiegen sein, rückt der nächstbeste Nicht-Aufsteiger nach.

Die zweite Runde sieht die vier verbleibenden Teams, darunter auch der Tabellensechzehnte der Eredivisie, in einem Duell um den Aufstieg oder die Verbleibschance in der höchsten Spielklasse gegenüber.

„Es ist verrückt. Wenn man sieht, wo wir vor sieben Monaten standen… Es war eine Achterbahnfahrt“, so der Stürmer Nino Zonneveld gegenüber ESPN. „Wir entwickeln uns enorm weiter. Jetzt müssen wir alles geben.“ Der Kapitän Alexander Büttner, einst Spieler von Manchester United, ergänzt: „Die Atmosphäre ist gerade fantastisch. Egal wo wir spielen, unsere Fans sind immer da.“

Der Vitesse Arnheim hat mehr Leben als eine Katze. Auch wenn der Weg noch weit ist, schöpfen die Verantwortlichen und Fans Hoffnung auf ein sportliches Wunder. Ein Wunder, das angesichts der turbulenten Geschichte des Vereins nicht völlig ausgeschlossen scheint.