Vingegaard greift ein: zeitnahme beim giro vorzeitig verlegt – ein sicherheitsrisiko?
Mailand bebte gestern, als Jonas Vingegaard, der unumstrittene Führender des Giro d’Italia, die Rennleitung dazu bewegte, die Zeitnahme auf der 15. Etappe vorzeitig zu verlegen. Ein ungewöhnlicher Schritt, der die Fahrer, die sich über die vermeintlich gefährliche Streckenführung beschwerten, offenbarte. Die Entscheidung, die Zeitnahme bereits 16,3 Kilometer vor dem Ziel festzulegen, wirft Fragen nach der Sicherheit und dem Einfluss von Top-Fahrern auf den Rennverlauf auf.
Ein däne nimmt die initiative
Was geschah? Vingegaard, der das Rosa Trikot trägt, ließ sich 41,5 Kilometer vor dem Ziel zurückfallen und nutzte die Gelegenheit, um mit der Jury am Streckenrand zu sprechen. Die Kameras fingen den Dialog ein, in dem der Däne offenbar Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Rundkurses in Mailand äußerte, der speziell für einen Massensprint konzipiert war. Angesichts der zahlreichen Stürze in den bisherigen Sprintetappen war die Angst vor weiteren Unfällen im Peloton spürbar.
„Wir Fahrer haben festgestellt, dass es nicht die beste Strecke ist“, erklärte Vingegaard nach dem Rennen gegenüber Eurosport. Seine Intervention war nicht ohne Risiko, doch er betonte seine Verantwortung als Führender: „Als Führender trage man eine gewisse Verantwortung.“

Expertenmeinungen: mutig oder unangebracht?
Die Aktion Vingegaards spaltete die Meinungen. Rolf Aldag und Jens Voigt diskutierten im Velo-Cub über den Vorfall. Aldag lobte Vingegaard für sein Engagement: „Er hat nicht versucht, es zu seinem eigenen Vorteil auszunutzen, sondern im Sinne der Sicherheit der Fahrer.“ Voigt hingegen äußerte Bedenken hinsichtlich der Spontaneität der Aktion und plädierte für eine vorherige Absprache. „Eine Diskussion am Auto bei 60 km/h auf dem Rad ist riskant“, so Voigt.
Die Jury folgte letztendlich Vingegaards Forderung und verlegte die Zeitnahme. Fredrik Dversnes Lavik sicherte sich den Sieg auf der verkürzten Etappe, während Vingegaard einmal mehr seine Führungsstärke unter Beweis stellte. Sein Wort hat Gewicht, wie Aldag feststellte – und er nutzte es am Sonntag in Mailand.
Die Frage, die nun bleibt, ist, ob Vingegaards mutiges Eingreifen einen Präzedenzfall schafft und ob andere Fahrer in Zukunft ebenfalls die Initiative ergreifen werden, um auf vermeintliche Sicherheitsmängel hinzuweisen. Die Diskussion über die Verantwortung von Fahrern und die Rolle der Jury beim Giro d’Italia ist damit neu entfacht.
